Der fliegende Händler

F 2007
Liebe und Leid in der Provinz

Liebe und Leid in der Provinz

In den Städten gehören Tante-Emma-Läden oder kleine Greißler schon fast der Vergangenheit an. In der französischen Provinz, die der Regisseur Eric Guirado in "Der fliegende Händler" (F, 2007) zeigt, ist ein Kaufmann, der den alten Menschen in entlegenen Gegenden Lebensmittel bringt, noch Teil der Realität. Einer Realität, aus der Antoine (Nicolas Cazalé) vor Jahren für immer entkommen wollte.

Antoine hat das Haus seiner Eltern vor Jahren im Streit verlassen. In der Stadt hält er sich mit Kellnerjobs über Wasser. Bis sein Vater (Daniel Duval) einen Herzinfarkt erleidet und seine Mutter ihn um Hilfe zu Hause bittet. Widerwillig übernimmt Antoine die tägliche Tour mit dem mobilen Laden in die entlegenen Gebiete der Gegend. Der mürrische Antoine hat neben Familienproblemen hier zusätzlich mit dem Misstrauen der alten Menschen zu kämpfen. Als Engel aus der Stadt hat er Claire mit zu seinen Eltern genommen. In sie ist er schon lange verliebt. Sie ist es auch, die ihm hilft, dem Leben in der Provinz mit positiveren Gefühlen zu begegnen.

Eric Guiardo hatte zuvor ein Porträt über Menschen mit Wanderberufen realisiert. Während seiner Recherchen dafür, fand der Regisseur die Vorbilder für seine Figuren in "Der fliegende Händler". Dicht folgt er den Personen und zeigt ihre Probleme. Einsame Menschen, deren Tagesablauf durch den Besuch des fahrenden Kaufmanns unterbrochen wird, zeigen wie unromantisch das Landleben auch sein kann. In einzelnen Episoden treffen sie mit Antoine zusammen, und kommen sich langsam näher.

Die resolute Lucienne (Liliane Rovère), die dem Krämer wider Willen Kontra gibt, oder der gebrechliche Père Clément (Paul Crauchet), der für seine Erbsen mit Eiern seiner verbleibenden Hühner zahlt, sind nur zwei der Figuren, die Antoines Abwehr durchbrechen. Die Nebenrollen hat der Regisseur mit Menschen aus der Gegend, Südfrankreich, besetzt. Eine Entscheidung, die dem Film eine sehr persönliche Note gibt. Durch sein Engagement im elterlichen Geschäft, das allerdings am absteigenden Ast ist, erobert sich Antoine nach und nach auch den Respekt des Vaters zurück.

Die Stärken des Films liegen in der Geschichte des verlorenen Sohns, einer wiederentdeckten Heimat und in der liebevollen und ohne Aufregung präsentierten Umgebung. Die Familienprobleme werden sehr konventionell präsentiert und manchmal gewinnen im Film die Klischees die Oberhand, untermalt mit launiger Musik. Zu Sommerbeginn ist das allerdings etwas, das Lust auf mehr macht.

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