Der Atem des Himmels

Drama, A 2009
Eine Lawine ändert alles

Eine Lawine ändert alles

Reinhold Bilgeris Alpendrama "Der Atem des Himmels", das am 3. September in den österreichischen Kinos anläuft, macht auf der Leinwand auch fern der Berge sehr eindrucksvoll klar, was rasende Schneemassen anrichten können.

Jänner 1954: Es ist dunkel in den Häusern des Großen Walsertals, in die Gebete der Menschen mischt sich das unheilvolle Donnern der Lawinen. Der moderne Heimatfilm mit seinen kraftvollen Landschaftsbildern zeigt, dass Filme internationalen Formats aus Vorarlberg kommen können und ist vor allem etwas für Liebhaber großer Gefühle. Bilgeri hat seinen 2005 erschienenen, gleichnamigen Bestseller-Roman selbst verfilmt und produziert. In einem Kraftakt stemmte der als Popstar bekannte Vorarlberger das Mammutprojekt. Zum Buch gibt es kaum Veränderungen: Die verarmte Adelige Erna von Gaderthurn, gespielt von Bilgeris Frau Beatrice, kommt im Herbst 1953 als Lehrerin ins Große Walsertal. Sie verliebt sich dort - wie einst Bilgeris Mutter - in einen Lehrerkollegen. Der eigenwillige Pädagoge Eugenio Casagrande (Jaron Löwenberg) und der von Gerd Böckmann verkörperte einflussreiche Baron streiten sich bald heftig über den Lawinenschutz des Dorfs - und um die attraktive Erna. Höhepunkt ist die historische Lawinenkatastrophe im Jänner 1954 in Blons (Großes Walsertal), bei der 57 Menschen im Dorf starben.

Anders als in typischen Heimatfilmen steht kein kichernder Backfisch im Zentrum, vielmehr - sehr wohltuend - eine gestandene Frau Anfang 40. Beatrice Bilgeri bewegt sich anmutig, zeitweise aber leider gekünstelt durch die raue Welt der Dörfler. Ihre besten Seiten zeigt sie, wo Witz und Gefühl gefragt sind. In Löwenberg, der den Eugenio gekonnt als hartnäckigen Revoluzzer anlegt, wurde ein idealer Leinwandpartner gefunden, als Liebespaar harmonieren die beiden wunderbar. Die großteils aus Vorarlberg stammenden Darsteller der Blonser sorgen mit alemannischem Zungenschlag für das nötige Lokalkolorit.

Die komischen Momente hat Ernst Konarek als schlitzohriger Bürgermeister auf seiner Seite, während Krista Stadler (Ernas Mutter) und Julia Gschnitzer (Die Mutter des Baronen) stimmig und in der Vergangenheit verhaftet Adelsdünkel und Faschismus verkörpern. Erwin Leder leidet kurz als sterbender Vater Ernas. Zwei Kurzauftritte hat auch der französische Schauspieler Eric Judor als Besatzungssoldat, übrigens ein Neffe Bilgeris. Dass Bilgeri sein Projekt als Familienunternehmen sieht, zeigt sich auch daran, dass die 15-jährige Tochter Bilgeris, Laura, ebenfalls eine Nebenrolle (Pia) erhielt.

Die eigentlichen Hauptdarsteller sind aber wohl die todbringenden Lawinen vom Falvkopf und vom Mont Calv, die die Geschichte auf ihren dramatischen Höhepunkt zutreiben. Beeindruckend sind vor allem die gewaltigen Kameraaufnahmen aus dem Blickwinkel der auf die Höfe zurasenden, alles zerstörenden Schneemassen, während die Menschen gottergeben und hilflos in ihren Häusern hoffen und beten. Blaustichig die bedrohliche Außenwelt, in warmem Licht die Stuben, erfasste das Team um Kameramann Tomas Erhart (z. B. "Schwabenkinder") treffend die Atmosphäre. Eindrucksvoll auch die Landschaftsaufnahmen, die Vorarlbergs Naturschönheiten von ihrer besten Seite zeigen.

Reinhold Bilgeri lieferte zweifellos den Beweis: In Vorarlberg können große Filme internationalen Formats gedreht, gespielt, produziert, musikalisch unterlegt und geschnitten werden. Ob tatsächlich die von ihm erhofften 50.000 Besucher in die Kinos strömen, wird sich zeigen - zu wünschen wäre es Bilgeri jedenfalls. Es ist zudem zu hoffen, dass weitere Filmemacher seinem Mut folgen werden.

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