Demolition: Lieben und Leben

Komödie/Drama, USA 2015

Davis muss sein altes Leben komplett auseinandernehmen

Drehbuchautoren lernen zu Beginn ihrer Karriere oft eine goldene Regel: Rettet die Katze. Filmzuschauer wollen sich mit den Figuren auf der Leinwand identifizieren und am besten gelinge das eben, wenn diese aus einem brennenden Haus eine Katze retten. So gesehen versagt "Demolition - Lieben und Leben" auf ganzer Linie.

Das Drama tut wenig, um eine ansprechende Hintergrundgeschichte für die reichen Bankerfiguren aus New Yorks Oberschicht zu entwickeln. Es ist nicht das einzige Problem des Films, das gut gespielte Trauerstück bleibt seltsam leblos. Es geht um Davis, einen von Jake Gyllenhaal gespielten Mittdreißiger, der in seinem Leben die übliche Checkliste scheinbar gut abgearbeitet hat: Die Frau ist hübsch, die Karriere läuft, das Haus ist edel eingerichtet. Gleich zu Beginn des Films aber schlägt das Schicksal zu: Bei einem Autounfall stirbt Davis' Frau.

Seine Erweckungsgeschichte nimmt ihren Lauf, nachdem Davis im Krankenhaus versucht, am Snackautomaten Süßigkeiten zu kaufen. Das Gerät streikt und Davis schreibt der Firma einen Beschwerdebrief. Kundendienstmitarbeiterin Karen (Naomi Watts) antwortet ihm - und natürlich entwickelt sich eine zarte Liebesgeschichte. Karen und ihr Sohn Chris geben Davis einen neuen Blick auf sein Leben, während er gleichzeitig ein neues Verhältnis zu seinem Schwiegervater Phil (Chris Cooper) finden muss.

Dieser bemühte Plot deutet bereits an, wie unentschlossen "Demolition" zwischen Trauer und Skurrilität schwankt und dabei viel Glaubwürdigkeit verliert. So schreibt Davis beispielsweise in seinem Brief: "Ich fand das unerhört, weil ich großen Hunger hatte. Und auch weil meine Frau zehn Minuten vorher verstorben war." Wer würde wirklich solche Sätze formulieren? 

Hinzu kommt, dass der Film in Sachen Trauerbewältigung nicht gerade subtil vorgeht. "Du musst erst alles auseinandernehmen, dann kannst du das Ganze wieder zusammensetzen", rät der Schwiegervater. Prompt zerlegt Davis die Toilettentüren im Büro, seinen Kühlschrank daheim, er zerstört schließlich sogar sein komplettes Haus. Für feingeistigere Betrachter dürfte es ein Problem sein, dass Regisseur Jean-Marc Vallée ("Dallas Buyers Club") und Drehbuchautor Bryan Sipe den Vorschlaghammer in "Demolition" nicht nur für die Zerstörung von Davis' Wohnung nutzen. 

Dass der Film trotz Kalenderspruch-Weisheiten nicht komplett abdriftet, liegt vor allem an zwei Schauspielern: Gyllenhaal spielt nach "Donnie Darko", "Brokeback Mountain" und "Nightcrawler" wieder exzellent einen gebrochenen Typen, der eine Lösung für sein Leben finden muss. Wenn er seinen Davis als Therapie spontan durch die Straßen New Yorks tanzen lässt, funktioniert das Drama plötzlich. Dagegen bleiben Davis' Frau und ihre Familie leblose Figuren wie auf einem Reißbrett. 

Getragen wird "Demolition" auch von Newcomer Judah Lewis, der als Karens Sohn Chris einige sehr natürliche Szenen mit Gyllenhaal spielt. Doch selbst die fein anzusehende Chemie zwischen den beiden kann ein Drehbuch nicht retten, das seine über ambitionierten Ideen allzu banal ausführt.

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