Desaster-Action: Die Katastrophe der Deepwater Horizon als Film

Action/Drama, USA 2016

Mike Williams muss versuchen zu überleben

Mark Wahlberg versucht, von einer brennenden Ölplattform zu entkommen. Klingt banal, ist aber packend und toll gemacht.

Im April 2010 fliegt Elektriker Mike (Mark Wahlberg) zu einer weiteren 21-Tageschicht auf die Ölplattform Deepwater Horizon, die im Golf von Mexiko unter schwierigen Umständen für BP nach Öl sucht. Eigentlich ein Routinejob, aber er hat ein schlechtes Gefühl. Die Plattform ist abgearbeitet und desolat, BP drängt: Man ist über 40 Tage und ein paar Millionen Dollar im Rückstand. Vor allem hat BP jene Spezialisten frühzeitig nach Hause geschickt, die das frische Bohrloch und dessen Tiefsee-Bodenumgebung mit Spezialzement versiegelt haben - ohne die nötigen Sicherheitsprotokolle durchzuführen. Das stößt Plattform-Leiter Mr. Jimmy (Kurt Russell), einem erfahrenen Öl-Veteranen, sauer auf. Aber Vidrine (John Malkovich), der BP-Mann vor Ort, wiegelt ab und droht: Der Zeitrückstand muss aufgeholt werden. Es kommt, wie es kommen muss: Die Betonhülle ist mangelhaft, unter der Plattform baut sich eine riesige Gasblase mit enormem Druck auf. Gerade, als sich an Bord alles zu entspannen beginnt, zerfetzt der Druck Sperrventile, Rohrleitungen und die Abdichtung. In einem irren Blowout nimmt die Katastrophe ihren Lauf ...

Die Katastrophe ist 2010 tatsächlich passiert

Die Katastrophe ist wirklich passiert: Am 20. April 2010 markierte sie den schwersten Ölbohr-Unfall in der Geschichte der USA. Am Ende zeigt der Abspann, was aus den Überlebenden wurde. Insgesamt ein sensibles Th ema also - und Regisseur Peter Berg hat es in einen überraschend gut funktionierenden Desaster-Action-Thriller übersetzt, der bei allem Verständnis und Gefühl für die politisch wenig korrekte, harte Welt der Erdölarbeiter auch sublime Botschaften bereithält - obwohl er das beispiellose Umweltdesaster, das die Zerstörung der Deepwater Horizon nach sich zog, völlig ausspart.

Wir kaufen Benzin, damit wir zur Arbeit fahren können, damit wir Geld bekommen, um Benzin kaufen zu können

Den goldenen Satz zum Nachdenken lässt er Kate Hudson (Hut ab vor dem Mut zur reduzierten Attraktivität als erdige Hausfrau mit dreckigen Fingernägeln) sagen. Als sie ihren Mann zum riesigen Heliport bringt, von dem die Arbeiter aus zu ihren Bohrplattformen geflogen werden, muss sie den Familien-SUV tanken und grübelt: "Wir kaufen Benzin, damit wir zur Arbeit fahren können, damit wir Geld bekommen, um Benzin kaufen zu können ..." Besser kann man diesen Teil des American Way of Life wohl nicht beschreiben, der perverserweise in mitleidlose Verachtung für die Opfer umschlug, wie Regisseur Peter Berg weiß: "Was mich am meisten erschütterte, war, dass die Toten stigmatisiert wurden, weil sie nach Öl bohrten und die Leute zu den Familien sagten: ,Sie haben die Explosion verursacht, recht geschieht ihnen, dass sie sterben mussten.' Das ist entsetzlich. In Wahrheit haben die Jungs das sinkende Schiff nicht verlassen, sondern wollten retten, was es zu retten gab, und deshalb sind sie umgekommen."

BP drängt darauf, die Förderung voll anlaufen zu lassen – trotz technischer Probleme

Auf der ‚Deepwater Horizon‘ gibt es ansonsten jede Menge technische Probleme. Auch die IT-Ausstattung der Förderinsel ist mangelhaft. Trotzdem drängt der BP-Manager Vidrine darauf, die Förderung voll anlaufen zu lassen. Williams und Harrell warnen vergeblich. Der "Blowout", das unkontrollierte Austreten von Gas, Öl und Schlamm, ist nicht mehr aufzuhalten. Das Inferno nimmt in Stufen seinen Lauf, durchaus spektakulär brennt die Ölplattform über Stunden nieder, während sich die meisten Arbeiter in die Rettungsboote flüchten können.

Sehr pathetisch feiert der Film im Finale den Mut und die Einsatzbereitschaft der Besatzung und gedenkt auch der elf Männer, die die Katastrophe nicht überlebt haben. Zu den fatalen Folgen für die Umwelt allerdings fiel den Drehbuchautoren nur ein ölverschmierter Kormoran ein, der urplötzlich wie ein Menetekel auf die Kommandobrücke flattert. Dabei war die Explosion der ‚Deepwater Horizon‘ ein Umwelt-Super-GAU. Das Leck konnte erst nach 87 Tagen geschlossen werden, bis dahin flossen täglich 50.000 Barrel Erdöl in den Golf von Mexiko.

So beklemmend-spannend, dass einem die Luft wegbleibt

Und genau das zeigt Berg so intensiv und spannend, dass einem zeitweise die Luft wegbleibt. Er lässt sich zwar eine gute Dreiviertelstunde Zeit, um Geschehnisse auf und das Öl unter der Bohrinsel zu verdichten, aber dann lässt er die Action von der Leine. Null spekulativ, sondern teilweise wirklich atemberaubend. "Der echte Mike Williams, Bewertung: also jener Mann, den ich spiele, war die ganze Zeit am Set. Er war der letzte Mann auf der Bohrinsel, als alle Boote bereits weg waren. Er sieht sich natürlich nicht als Held, sondern nur als jemand, der seinen Job erfüllte. Ich wollte ihn als Berater dabei haben, damit unser Film wirklich authentisch wird", schwärmt Hauptdarsteller Mark Wahlberg von der Realitätsnähe des Films. So real gedreht, dass ihm manchmal der Hintern heiß geworden wäre im Feuer. "Ich habe viel selbst gemacht, aber die haarigen Szenen: No! Ich brauche niemandem mehr zu beweisen, dass ich über Feuer springen kann."

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