Dear Wendy

Drama/ , DK/F/D/GB 2005
"Dear Wendy": absurde Idee, überzeugender Film

"Dear Wendy": absurde Idee, überzeugender Film

Wendy könnte ein nettes Mädchen sein. Eine Freundin von Supermarkt-Verkäufer Dick aus dem US-Städtchen Estherlope. Doch Wendy ist eine Pistole. Aus der fatalen Liebe zu einer Waffe hat der dänische Regisseur Thomas Vinterberg ("Das Fest") ein fesselndes Filmdrama nach der Idee seines Landmanns Lars von Trier ("Dogville") gemacht.

Es ist der lange Brief an Wendy, der als roter Faden durch den Film führt. Wie in einem Bühnenstück spielt die Handlung rund um den Marktplatz des Städtchens. Hauptperson ist der junge Dick (Jamie Bell; "Billy Eliott"), der aus Einsamkeit und Perspektivlosigkeit beginnt, sich in eine Traumwelt zu flüchten. Irgendwann redet er mit seiner Pistole. Er hat sie einst als Spielzeugwaffe gekauft. Erst sein nicht weniger menschenscheuer Kollege im kleinen Supermarkt macht ihn auf die Feuerkraft aufmerksam und entpuppt sich als passionierter Waffennarr.

Gemeinsam gründen die beiden Einzelgänger den Club der "Dandys" und pflegen dort ein weltfremdes Musketier-Gehabe. Nach und nach werden alle jugendlichen Verlierer des Ortes zu Dandys und Dick ihr unangefochtener Anführer. Pazifisten mit Pistolen nennen sie sich und rechtfertigen den Widerspruch mit dem Motto: "Ziehe niemals eine Waffe in der Öffentlichkeit."

Doch in stillgelegten Zechenschächten trainieren die Dandys, als edle Ritter verkleidet, heimlich das Schießen. In feierlichen Ritualen geben sie ihren halbantiken Waffen Namen. Mit Pistolen in den Taschen steigt das Selbstbewusstsein der Loser-Gang, der bald auch das Mädchen Susan (Alison Pill) angehört. Die Anerkennung der jungen Leute im Ort wächst, ohne dass die Bewohner etwas von deren gefährlichem Hobby ahnen. Erst als Ortssheriff Krugsby (Bill Pullmann) Dick den jungen Raufbold Sebastian zur Resozialisierung in Obhut gibt, gerät das Dandy-Projekt aus dem Ruder. Sebastian hat einen Menschen erschossen - und Susan findet ihn sehr interessant.

Ein "zum Nachdenken anregendes Drama" hat Thomas Vinterberg seinen Film genannt. Lars von Trier gibt neidlos zu, dass der Regisseur aus seiner absurden Idee "etwas sehr Reales" gemacht habe. Assoziationen sind bei "Dear Wendy" kaum Grenzen gesetzt. Sie mögen vom Erfurter Schulmord bis zu Michael Moores Dokumentarfilm "Bowling for Columbine" reichen.

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