Deadpool

Action/Abenteuer, USA/CDN 2016

Deadpool ist Marvels Antiheld

Er ist Marvels unkonventionellster Superheld: Deadpool. Nun hat der Comic-Charakter den Einzug ins Kino geschafft. Auf der Leinwand gibt sich der schießwütige, selbstheilende Mutant nicht weniger humorvoll - von Ironie bis zum sprichwörtlichen Holzhammer. "Deadpool" ist eine gelungene Mischung aus Parodie und Actionreißer, die auch das Medium Film nicht zu ernst nimmt.

Eingeführt zu Beginn der 90er-Jahre, erhielt der von Anfang an als Anti-Held im Marvel-Universum konzipierte (und mehrere Veränderungen durchlaufende) Deadpool 1997 seine erste eigene Serie und tauchte außerdem sporadisch bei den X-Men auf. Ausgestattet mit einem eigenwilligen Humor, pflegt die ein rot-schwarzes Kostüm tragende Figur das völlig überzeichnete, sich nicht an Genre-"Gesetze" haltende Handlungsgeschehen stets wortgewaltig zu kommentieren.

Da wundert es nicht, dass Deadpool in seinem ersten Kino-Abenteuer nicht als typischer "Avenger" angelegt wurde, sondern etwa weiß, dass er eine Comic-Film-Figur ist. Wiederholt wendet er sich mit einem bissigen Kommentar an die Zuschauer, macht sich über den Film und sein Budget lustig. Bei einer besonders grauslichen Szene dreht er sogar die Kamera weg, um dem Publikum den Anblick zu ersparen. Die Gewalt ist explizit und nicht nur von Blut, sondern auch schwärzestem Humor durchtränkt.

Deadpool heißt eigentlich Wade Wilson (Ryan Reynolds). Unheilbar an Krebs erkrankt, nimmt er an einem geheimen Versuchsprogramm einer Gruppierung teil, die nichts Gutes plant. Die Krankheit wird zwar geheilt und Wilson mit Superkräften ausgestattet, sein Gesicht aber entstellt. So mag sich Wilson seiner Verlobten Vanessa ("Homeland"-Star Morena Baccarin) nicht zeigen. Da es sich um einen "Liebesfilm" handelt, wie Deadpool zu Beginn erklärt, geht der Superheld, der sich nicht an Superhelden-Regeln halten will, auf die Suche nach dem Mann, der ihn wieder herstellen könnte - und weil der auch Superkräfte hat, geht es munter in Richtung Materialschlacht.

Unter der Regie von Tim Miller hat der 39-jährige Kanadier Reynolds nach der Schmach als "Green Lantern" Deadpool würdig von den Heftchen auf die Leinwand transferiert. Die Gags sind frech und meist (wenn auch nicht immer) gelungen, die Dialoge pointiert und ruppig, es strotzt vor Reminiszenzen an die Popkultur. Miller und sein Team spielen mit Klischees (inhaltlich, visuell und akustisch), führen das Genre beinahe ad absurdum, beweisen zugleich aber ihre Liebe dazu. Um "Deadpool" trotz Ambition, ein Breitenpublikum anzusprechen, nicht zu verwässern, wurde sogar eine höhere Altersfreigabe in Kauf genommen. Im nächsten Teil darf es ruhig noch absurder werden.

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