David wants to fly

Dokumentation, D/A/CH 2010
Meditation anders

Meditation anders

"Ich wollte abgründige Filme machen, wie mein großes Vorbild David Lynch. Aber mir fehlten die Abgründe." Dass Jungregisseur David Sieveking schon bald auf Abgründe stoßen würde, weiß er fünf Jahre vor Fertigstellung seines ersten Films, der Doku "David wants to fly", noch nicht.

Auf der Suche nach Inspiration wendet er sich an sein Regievorbild, der ihm die Transzendentale Meditation (TM) des Gurus Maharishi nahelegt - "eine gute Geldanlage zur Ideenfindung", wie Lynch ihm in einem Interview sagt. Dass Geld und Manipulation im Mittelpunkt der spirituellen Bewegung stehen, findet Sieveking erst im Laufe der Dreharbeiten heraus - und wird so vom Filmemacher und Protagonisten zum Detektiven und schließlich Feindbild für die TM-Bewegung.

Am Freitag (10.12.) startet der kurzweilige, amüsant und zeitgleich klug präsentierte Film in den österreichischen Kinos. "Jai guru deva om, nothing's gonna change my world" - es sind die wohl berühmtesten Zeilen im viel gecoverten Beatles-Song "Across the universe". Dass die Phrase "Jai guru deva om" ("Danke Guru Dev") von der Philosophie des indischen Maharishi Mahesh Yogi (1918-2008) inspiriert ist, wissen die wenigsten. Er ist jener Guru, den die Beatles Ende der 60er Jahre in seinem Ashram besuchten. Jener Guru, den David Lynch so sehr verehrt, dass dieser heute die wichtigste Repräsentationsfigur von TM ist. Jener Guru, der seine Idee Anfang der 70er zu einer globalen Vereinigung werden ließ, zu einer "neuen Weltregierung". Und der vom "Himmel auf Erden" träumte, einer Siedlung in Indien, in der 10.000 "yogische Flieger" durch rituelle Gesänge den Weltfrieden auslösen sollen.

Das klingt doch spannend, denkt sich David - er will auch "fliegen", das heißt, im meditativen Schneidersitz über dem Boden schweben. David schreibt sich prompt gegen einen Beitrag von mehr als 2.000 Euro für einen TM-Kurs ein, reist mit einem Kamerateam zur Beisetzung des Gurus nach Indien, nimmt später an der Jahreshauptversammlung in Holland teil. Er wird mit offenen Armen empfangen, führt mehrere Interviews mit Lynch und anderen TM-Anhängern. Doch schon bald wird David misstrauisch: Die Nachfolger des Gurus, Rajas, fahren goldene Limousinen, rufen bei Versammlungen zu Spenden für den "Himmel auf Erden" auf. Maharishi selbst soll seiner Familie ein Milliardenerbe hinterlassen haben. Dass so viel Geld hinter einer angeblich ausschließlich spirituellen Vereinigung steckt, verwundert David.

Schon bald stößt er auf immer mehr unglaubliche Fakten, wird zum investigativen Journalisten, spricht mit TM-Aussteigern und Kritikern, zieht Ärger und Klagedrohungen vonseiten der TM-Bewegung und seines großen Vorbilds Lynch auf sich. Auf amüsante Weise präsentiert Sieveking seine Beobachtungen in der Koproduktion aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zwischen Doku-Stil und Inszenierung - betont zynisch und ironisch. Er nimmt Anleihen an US-Dokumentarist Michael Moore, spricht seinen Unmut selten aus, sondern lässt "die Bösen" lächerlich wirken. So ist "das Fliegen mehr ein Hopsen" und dass der Guru höchstpersönlich das nie vorgezeigt hat, sei, weil "er eben ein sehr bescheidener Mann war".

David Lynch will dem jungen Kritiker übrigens demnächst nicht mit einer Klage, sondern mit einem Film entgegnen. "Der definitive Film über Maharishi" soll das Werk heißen, so Sieveking, "inwieweit es sich um einen Dokumentar- oder eher einen Imagefilm handelt, bleibt abzuwarten".

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