David Lynch Retrospektive im Gartenbau Kino

US-Kultregisseur David Lynch

US-Kultregisseur David Lynch

Das Gartenbau Kino präsentiert ab Freitag (19.5.) bis 31. Mai erstmals in Wien eine vollständige Werkschau der Kinofilme von David Lynch. Der US-Kultregisseur mit der Vorliebe für die Abgründe hinter harmlosen Kleinstadtfassaden ist im Jänner 60 geworden.

Mit nur neun Kinoarbeiten in 30 Jahren - nebst einer Reihe von TV-Serien und Musikvideos - hat Lynch einen ganz eigenständigen düsteren Kosmos geschaffen. Schon in seinem Debütfilm "Eraserhead" (1977), der am Freitag (18.30 Uhr) die Retrospektive eröffnet, schockierte der Kunst- und Filmstudent, der im US-Staat Montana geboren wurde und auf dem Land aufwuchs, sein Publikum mit Horrorszenen und surrealen Bildern. Der Schwarzweiß-Streifen über einen Mann, der Vater einer an ein Alien erinnernden Missgeburt wird, war eigentlich als Underground-Film geplant, fand aber in normalen Kinos bald eine große Kult-Gemeinde.

Mit "The Elephant Man" festigte Lynch drei Jahre später seinen Ruf als Spezialist für abseitige Stoffe. Die authentische Geschichte über einen fürchterlich verunstalteten Mann, der im viktorianischen England als Jahrmarkts-Attraktion vermarktet wird, wurde ein internationaler Kassenerfolg und erhielt acht Oscar-Nominierungen.

Nachdem sein teures Science-Fiction-Epos "Dune" (Der Wüstenplanet,1984) an den Kinokassen floppte, kehrte Lynch zu seinen bewährt-skurrilen Stoffen zurück. "Blue Velvet" (1986), mit seiner späteren jahrelangen Lebensgefährtin Isabella Rossellini als missbrauchter Nachtclub-Sängerin, wurde schnell zum Klassiker. Eine langsame Kamerafahrt in ein abgeschnittenes Ohr auf einer Wiese ist nur der Vorgeschmack für Lynchs Gewaltvisionen.

Für das brutale Road-Movie "Wild at Heart" erhielt Lynch 1990 die "Goldene Palme" in Cannes. Im Gartenbaukino zu sehen ist auch die legendäre Fernsehserie Twin Peaks" (1992) rund um einen Frauenmord in einem US-Holzfällerstädtchen, deren Leinwandversion ("Fire Walk With Me") allerdings ziemlich verrissen wurde.

Weiters auf dem Programm: Die Thriller "Lost Highway" (1995) rund um einen schizophrenen Killer und "Mulholland Drive" (2001), der Lynch erneut den Regie-Preis in Cannes einbrachte. Und schließlich "The Straight Story" (1999), ausnahmesweise eine wirklich liebenswerte Geschichte von einem alten Mann, der auf seinem Rasenmäher durch den ganzen Mittleren Westen fährt, um seinen Bruder zu besuchen und sich nach jahrelanger Feindschaft wieder zu versöhnen.

Lynch selber hat übrigens eine Stiftung für "Bewusstseins-basierende Lehre und Weltfrieden" gegründet und setzt auf transzendentale Meditation als Friedensstifter. Seit über 30 Jahren meditiert er nach der Lehre des Maharishi Mahesh Yogi, dem einst auch die Beatles folgten.

INFO: David Lynch Retrospektive, 19. bis 31 Mai 2006, Gartenbaukino, Parkring 12, 1010 Wien; Nähere Infos unter Tel.: 01/5122354 und

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