Das Vaterspiel

Drama, A/D 2009
Ratz leidet unter seinem autoritärem Vater

Ratz leidet unter seinem autoritärem Vater

Der österreichische Regisseur Michael Glawogger ("Workingmans Death") hat sich an die Verfilmung von Josef Haslingers komplexem Roman über vertrackte Familienbeziehungen und die Verarbeitung des Nationalsozialismus gewagt. Das Drama wurde als bester Spielfilm mit dem diesjährigen Großen Diagonale-Preis prämiert und wurde auf der 59. Berlinale uraufgeführt.

Ratz (Helmut Köpping) liebt seine Schwester, wie man eine Schwester nicht lieben sollte und hasst seinen übermächtigen Vater (Christian Tramitz) so sehr, dass er ein Videospiel namens "Vaterspiel" programmiert hat, in dem er das Familienoberhaupt täglich virtuell meucheln kann. Aus heiterem Himmel bekommt Ratz einen Anruf von Studienfreundin Mimi (Sabine Timoteo) aus New York. Sie bittet ihn, das Versteck ihres Großvaters - eines litauischen Nazis, der sich dort seit 32 Jahren verborgen hält - zu renovieren.

Für Ratz ist die Reise in die Vereinigten Staaten eine willkommene Abwechslung, doch schon bald muss er sich hier unangenehmen Fragen stellen: Wie soll er sich zu der Nazivergangenheit des alten Mannes stellen und wie schuldig macht man sich im Endeffekt mit virtuellen Morden am eigenen Vater? Und dann gibt es da noch Jonas (Ulrich Tukur), der in Ludwigsburg daran geht, die Geschichte seines vor Jahren in Litauen ermordeten jüdischen Vaters niederzuschreiben. Schon bald gibt es eine Verbindung zwischen Ratz und dem im fernen Ludwigsburg Schreibenden.

Weder Hakenkreuzfahnen noch Nazi-Uniformen sind in "Das Vaterspiel" zu sehen. In einem Film über die Aufarbeitung des Nationalsozialismus ist das nicht gerade üblich. Auch ohne die Symbole des Nazi-Regimes wirft die Verfilmung von Josef Haslingers Roman auf bedrückende Weise komplexe moralische Fragen auf. Der österreichische Regisseur Michael Glawogger bettet die Aufarbeitung der NS-Verbrechen in eine übergreifende Geschichte über das Verhältnis der Generationen ein. Die drei Handlungsebenen - Ratz' hasserfülltes Verhältnis zu seinem Vater in Wien, die Protokollsituation in Ludwigsburg und das Gespräch mit dem NS-Kriegsverbrecher in Amerika - zusammenzuführen, ohne dass der Film zerfranst, ist die Leistung des Regisseurs.

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