Das Schwein von Gaza

F/D/B 2011
Ein Schwein mitten im Nahost-Konflikt

Ein Schwein mitten im Nahost-Konflikt

Ein Fischer aus dem Gazastreifen holt ein Schwein aus dem Wasser und landet mit dem Tier mitten im israelisch-palästinensischen Konflikt. Mit viel Lust an schräger Komik verschont die preisgekrönte Satire "Das Schwein von Gaza" keine der Konfliktparteien.

Dem Wahnsinn des Nahost-Konflikts mit seinen Selbstmordattentaten, Grenzkontrollen und alltäglichen Schikanen kann man nur noch mit den Mitteln der Satire beikommen. Nach dieser Prämisse hat der französische Regisseur Sylvain Estibal mit "Das Schwein von Gaza" eine haarsträubende, bisweilen zum Schreien komische und zugleich tieftraurige Groteske in Szene gesetzt. "Ein vom Lachen erstickter Wutschrei", so beschreibt Estibal selbst seinen mehrfach preisgekrönten Film.

Der Fischer Jafaar (Sasson Gabay) aus dem Gazastreifen traut seinen Augen nicht, als eines Tages ein ausgewachsenes vietnamesisches Hängebauchschwein in seinem Netz zappelt. Das Tier war bei einem Sturm von einem fernöstlichen Frachter gerutscht. Jafaar hat Schwein und wittert das große Geschäft. Das denkt er jedenfalls. Aber keiner will seinen widerborstigen Fang kaufen, weder der cholerische UN-Beamte Schauerland (Ulrich Tukur) noch seine palästinensischen Freunde, und die Israelis erst recht nicht.

Aber Jafaar gibt nicht auf, pirscht sich mühevoll an eine israelische Siedlung an, in der Schweine gezüchtet werden. Bald wird er sich mit Yelena, einer jüdisch-russischen Siedlerin, einig. Einziger Haken an der Sache: Yelena will nicht das Schwein, sondern nur das Sperma des Schweins kaufen.

Für Jafaar brechen harte Zeiten an, aber der Reisende zwischen den Fronten gibt nicht auf. Auch als das Schwein bei ihm Zuhause in der Badewanne landet. Schließlich ist das Tier dort gut bewacht. Auf dem Dach von Jafaars Haus sitzen zwei israelische Soldaten und schieben Wache. Und schließlich packt der Fischer seinen vierbeinigen Fang in einen Schafspelz und trickst alle aus.

Der Wahnsinn hat also durchaus Methode in Estibals Groteske, die in diesem Jahr in Frankreich einen César als bester Debütfilm gewann. Der Israeli Sasson Gabay, der 2007 für "Die Band von nebenan" mit dem Europäischen Filmpreis als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet wurde, verkörpert das Schlitzohr Jafaar mit großem Elan und reichlich Sinn für Komik und absurde Pointen. Und so bekommen sie alle ihr Fett ab: verbohrte jüdische Siedler ebenso so wie palästinensische Fanatiker, die Jugendliche zu Selbstmordattentätern ausbilden. Am Ende deutet sich sogar eine Art Utopie an. Alle Beteiligten sitzen in einem Boot. Jetzt müssen sie nur noch das Gelobte Land finden.

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