Das Schreiben und das Schweigen

Dokumentation, D/I/A 2008
Eine Autorin im Visier

Eine Autorin im Visier

"Weißt du, ich spreche nicht gerne, auf dieser Grundlage wollen wir unseren Film aufbauen", hauchte Friederike Mayröcker vor einigen Jahren in Carmen Tartarottis Mikrofon. Und so hat die Filmemacherin die Schriftstellerin vier Jahre lang begleitet, ohne sie vor der Kamera sprechen zu lassen. Herausgekommen ist der 90-minütige Dokumentarfilm "Das Schreiben und das Schweigen".

Gesprochen hat Mayröcker trotzdem viel. Aus dem Off erzählt die Grande Dame der österreichischen Lyrik äußerst offen über ihre Arbeitsweise, kleine und große Erinnerungen und ihr sie stets umgebendes Chaos. Eine wunderbar ungeschminkte Hommage an die Autorin. Der Film beginnt mit einem Klischee: Im letzten Winkel des Zimmers lauert die Kamera hinter einem Stoß Papier. Und lenkt den Blick auf jenes unermessliche Chaos, für das Mayröcker weithin bekannt ist. Man sieht die heute 83-Jährige das Vorhaus betreten, in mehreren hart geschnittenen Einstellungen offenbart Tartarotti das ganze Ausmaß der heillosen Unordnung. Aus dem Off der ironische Kommentar der Lyrikerin: "Eigentlich hab ich mit Null hier angefangen", so Mayröcker mit gespielter Verwunderung, "alles war leer, da war nur meine Schreibmaschine". Und weiter: "Ich kann überhaupt nix wegräumen, ich brauch das alles. Es ist nicht so ungeordnet, wie es aussieht", fügt sie mit einem leisen Lachen hinzu.

Zentrum ihrer Lebenswelt ist ihre "Hermes Baby"-Schreibmaschine, von der sie zwei weitere vorrätig hat. Schließlich müsse man gewappnet sein, "wenn sie einmal abstürzt", so Mayröcker, die auf ihre Anspielung an die Computerwelt Lacher im Publikum verzeichnete. Lapidar fügt sie hinzu: "Ich muss ja durchkommen bis zum Schluss." Überhaupt zieht sich dieser Schluss, das Ende, durch die gesamte Produktion. "Ich lebe ja so gern", sagt Mayröcker, als sie den Nachlass von Ernst Jandl inspiziert. Dass ihr eigener Vorlass nach und nach in die Wienbibliothek wandert, betrübt Mayröcker ein wenig. So meint sie schmunzelnd: "Ich würde das alles lieber behalten. Wenn's mir mal sehr schlecht geht, könnte ich das alles verkaufen."

In TV und Kino finden: Carmen Tartarotti

Kinotipps
Zwei wie Pech und Schwefel

„Zwei wie Pech und Schwefel“ [KINOTIPP]

Weil eine Schlägertruppe ihren neuen Strandbuggy demoliert hat, lassen Bud Spencer und Terence Hill die Fäuste sprechen

Kinotipps
Red Rocket

„Red Rocket“ [KINOTIPP]

Ex-Pornostar Simon Rex lässt Los Angeles hinter sich und geht zurück nach Texas

Kinotipps
Loving Highsmith

„Loving Highsmith“ [KINOTIPP]

Porträt der Krimiautorin Patricia Highsmith, die mit „Zwei Fremde im Zug" und „Der talentierte Mr. Ripley“ Weltliteratur schrieb

Kinotipps
The Lost City - Das Geheimnis der verlorenen Stadt

„The Lost City – Das Geheimnis der verlorenen Stadt“ [KINOTIPP]

Sandra Bullock, Channing Tatum, Brad Pitt und Daniel Radcliffe auf Abenteuerreise im Dschungel

Kinotipps
Alles ist gutgegangen

„Alles ist gutgegangen“ [KINOTIPP]

Nach dem Schlaganfall ihres Vaters müssen sich Sophie Marceau und Géraldine Pailhas mit dem Thema Sterbehilfe auseinandersetzen

Kinotipps
Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush

„Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush“ [KINOTIPP]

Deutsch-türkische Mutter kämpft um die Freilassung ihres Sohnes aus dem Gefangenenlager Guantánamo!