Das Kind in der Schachtel

Dokumentation, A 2014
Regisseurin Dürnberger (r.) sucht ihre Mutter

Regisseurin Dürnberger (r.) sucht ihre Mutter

"Was ist Mutterliebe? Dass man sich einschränkt, damit ich dir 200 Euro im Monat geben kann? Kannst du es mir denn bis heute nicht verzeihen, dass ich dich hergegeben hab?" Die Fragen der leiblichen Mutter, die Gloria Dürnberger in ihrer berührenden Doku "Das Kind in der Schachtel" gestellt bekommt, treffen nicht nur die Regisseurin ins Herz. Kurz vorm Muttertag startet der Film im Kino.

Dürnberger, die als Filmemacherin und Schauspielerin in Wien und Berlin lebt, begibt sich auf eine Spurensuche. Mit acht Monaten wurde sie von ihrer Mutter weggegeben, wuchs bei einer anderen Familie als Pflegekind auf. Heute, als erwachsene Frau, weiß sie, dass ihre leibliche Mutter psychisch krank ist. Deren einstige Rolle hinterfragt sie mit intimer Kamera und Gesprächen mit allen Beteiligten von einst und jetzt.

Die psychische Krankheit der Mutter wird nicht genauer definiert, macht die Dialoge zwischen ihr und ihrer Tochter aber umso direkter und ungeschönter. Und sie macht es für die Regisseurin, die sich selbst ebenfalls der Kamera aussetzt und sowohl bei den kleinen Erfolgen als auch den großen Enttäuschungen beobachtet werden kann, umso schwieriger, eine Beziehung aufzubauen.

Trotz der Nähe gelingt es Dürnberger aber auch, eine allgemeingültige Perspektive einzunehmen und Fragen nach Mutterschaft, Familie und Identität aufzuwerfen. Die Filmemacherin drehte mit einem kleinen Team die Gespräche mit ihrer Familie, ihrem Verlobten, ihrem Onkel und im Jugendamt. Einzig die Gespräche mit ihrer Mutter filmte sie alleine. Dazwischen ist Super-8-Material montiert, von der Zeit vor ihrer Krankheit. "Das hat mich schockiert", sagt die junge Protagonistin im Film angesichts dieser Bilder. "Wie man aussieht, bevor das Leben einen zerfrisst." Bei der Diagonale in Graz hat der Film die Zuseher überzeugt und auch prompt den Publikumspreis gewonnen.

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