Das ewige Leben

Komödie/Krimi, A 2015
Brenner verschlägt es in seine Heimatstadt

Brenner verschlägt es in seine Heimatstadt

"Heimat ist für jeden ein bisschen dings", weiß der Brenner. Dementsprechend dings ist es, als ihn in seiner Heimatstadt Graz die Vergangenheit einholt und einen Kopfschuss einbringt. Zum vierten Mal inszeniert Wolfgang Murnberger mit "Das ewige Leben" einen Brenner-Krimi von Wolf Haas - und stellt Josef Hader in den Mittelpunkt eines kongenialen Männer-Trios.

Dem Brenner ist es auch schon mal besser gegangen. "Sie san a U-Boot", sagt man ihm am Magistrat. Ohne Job, Geld oder Dach über dem Kopf bleibt nur der Rückzug in die Heimat, ins heruntergekommene Haus des verstorbenen Großvaters im Grazer Bezirk Puntigam. Gerade angekommen und das klapprige Moped wieder angeworfen, führt der erste Weg zu seinem alten Freund aus der Polizeischule, dem Antiquitätenhändler Köck. Dem will er seine alte Walther-Pistole verkaufen, was dem Aschenbrenner, mittlerweile Chef der Kriminalpolizei, weniger gut gefällt.

Wenige Stunden später hat der Brenner eine Kugel im Kopf - schuld ist der Aschenbrenner, glaubt er. Schuld ist die Migräne, die ihn zum Suizid bewegt habe, glaubt die attraktive Ärztin Dr. Irrsiegler. Als dann kurze Zeit später auch noch der Köck tot aufgefunden wird, glaubt der Brenner nicht mehr an einen Zufall. Alles führt ihn zurück zu jener Zeit im Sommer, als diese Männer mit diesen Walther-Pistolen und einem fehlenden Vierten eine bis heute totgeschwiegene Jugendsünde begangen haben ...

Nach "Komm, süßer Tod", "Silentium" und "Der Knochenmann" ist "Das ewige Leben" die bereits vierte Brenner-Verfilmung. Vom Romanstoff haben sich Haas, Murnberger und Hader, die das Drehbuch erneut kollaborativ verfasst haben, signifikant entfernt. Die rechte politische Bewegung in Graz wird ebenso ausgespart wie die Bettler-Problematik, weil man sich gegen "das lauwarme, kurzfristige Ansprechen von sozialkritischen Themen" sperre, meinte Hader dazu im APA-Interview. Statt zwei Antagonisten wie im Roman bekommt Hader zudem einen einzelnen Gegenspieler samt actiongeladenem Showdown.

Das Ergebnis gibt ihnen recht: Nach dem düsteren, mit Horror-Elementen gespickten "Knochenmann" fällt "Das ewige Leben" persönlicher aus, lässt einen den Brenner besser kennenlernen und verstehen, und verlangt Hader dabei einiges ab: Förmlich greifbar ist die ihn in den Wahnsinn treibende Migräne, kultverdächtig das blitzblaue Moped, auf dem er - auch mal in Schlangenlinie - durch Graz knattert.

Vor allem aber lotet "Das ewige Leben" mit brachialem Humor ein von Abhängigkeiten, großen Egos und Verdrängung gebeuteltes Männergefüge aus, kongenial zusammengesetzt aus Hader als dickköpfiger Brenner, Roland Düringer als schwindliger Köck und der einschüchternd krächzende Tobias Moretti als moralbefreiter Aschenbrenner. Ersterer bedroht die Verdrängungskunst seiner ehemaligen Jugendfreunde - und scheint als solcher der einzig Weiterentwickelte in der Runde. Da ist die kühle Nora von Waldstätten als nur vorläufig unparteiische Dr. Irrsiegler einziger, körniger Fremdkörper zwischen sich nichts schenkenden, in Mundart fluchenden Kerlen, von denen einer körperlich schlechter beieinander ist als der andere und für die die besten Jahre lange vorbei sind.

Ebendiese Jahre, die glorreichen 70er, werden im Kontrast zum grauen, nassen, prominent vertretenen Graz in sonnendurchfluteten, verschwommenen Rückblenden gezeigt - größtenteils aus den Augen Brenners, die unter dem Motorradhelm vor allem die hübsche Marischka (30 Jahre später verkörpert von einer herrlich aufgewühlten Margarethe Tiesel) begutachten. Damals wie heute ertönt "When I Was Young" von The Animals aus Brenners altem Plattenspieler, im Film auch diesmal ergänzt durch den zurückhaltenden Soundtrack der Sofa Surfers.

"Ist vielleicht gar nicht so schlecht, dass man stirbt, wenn's am schönsten ist", sagt der Brenner einmal fast neidisch über den toten Köck. Hatte Wolf Haas "Das ewige Leben" 2003 ursprünglich noch als sechsten und letzten Brenner-Krimi veröffentlicht und dies durch einen zweideutigen Tod seiner Titelfigur oder auch seines Erzähler besiegelt (nur um dann doch noch zwei Romane nachzulegen), lässt sich das Film-Autorenteam alles offen. Auf der Kinoleinwand ist für den Brenner also noch nicht Endstation - auch wenn die Imbissbude, an der er das letzte Bier des Films trinkt, so heißt.

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