Das brandneue Testament

Komödie, B/F/L 2015

Gott ist ein gemeiner, alter Mann

Gott ist - sagen wir es rundheraus - ein Arsch. Er wohnt als Oberhaupt einer spießigen Kleinfamilie in Brüssel und schlurft den lieben langen Tag schlecht gelaunt im Bademantel durch die Wohnung. Seine einzige Freude ist, die Menschheit mit kleinen und großen Katastrophen zu sekkieren. Dies ist der Ausgangspunkt für den anarchischen Filmspaß "Das brandneue Testament", der nun ins Kino kommt.

Der Prolog ist dabei in Gottes Sozialbauwohnung angesiedelt, in der er in seinem Arbeitsraum täglich neue Gebote ausheckt. Diese lauten etwa: Sobald jemand in der Badewanne liegt, klingelt das Telefon. Oder: Ein Marmeladentoast fällt immer auf die Marmeladenseite. Oder: Im Supermarkt geht es in der Schlange nebenan immer schneller. Ähnlich misogyn verhält sich Gott (Benoit Poelvoorde) gegenüber seiner stillen Gattin (Yolande Moreau) und nicht zuletzt seiner kleinen Tochter Ea (Pili Groyne). Sohnemann Jesus, in der Familie liebevoll JC genannt, ist schließlich schon ausgezogen.

Immerhin steht JC, dessen Wirken auf Erden alles andere als das Wohlwollen seines Vaters gefunden hat, noch als Jesusfigur auf dem Schrank und dient Schwester Ea als Ratgeber. Als Gott Ea wieder einmal verprügelt hat, beschließt die Kleine, aus der Wohnung durch die Waschmaschine zu fliehen, nachdem JC ihr noch den Rat gegeben hat, die Liste der zwölf Apostel aus dem Neuen Testament um sechs weitere zu ergänzen. Deren Geschichten solle sie für das "brandneue Testament", das Ea-Evangelium aufschreiben.

Gesagt, getan. Ea rächt sich noch an ihrem Vater, indem sie von dessen Computer aus an jeden Menschen dessen exaktes Sterbedatum verschickt. Mit diesem Gedankenexperiment, wie sich die Gesellschaft verändern würde, wüsste jeder auf die Minute genau sein Todesdatum, wechselt der Film von der Anarchokomödie zum poetischen Werk voller skurriler Momente und poetischer Bilder.

Der Fokus liegt nun auf jenen sechs Aposteln, die Ea aufsucht und deren Geschichten die Basis liefern. Darunter findet sich die schöne Aurelie (Laura Verlinden), die wegen eines verlorenen Arms nicht daran glaubt, dass sie jemand lieben könne. Oder der sexbesessene Marc (Serge Lariviere), der seine wahre Kindheitsliebe wiedertrifft. Filmdiva Catherine Deneuve wiederum spielt die frustrierte Managergattin Martine, die zunächst einen Callboy bezahlt, bevor sie mit einem Gorilla aus dem Zirkus ihr Lebensglück findet.

All diese Lebenswege vermeintlicher Verlierer, die zum Leben zurückfinden, erzählt der belgische Regisseur Jaco Van Dormael mit einer humorvollen Leichtigkeit und menschlichen Tiefe. Er wolle nur ein Märchen erzählen, hatte der 58-Jährige alle blasphemischen Anfeindungen gegen seinen Spielfilm zurückgewiesen. Und in diesem Märchen ist eben Gott der Bösewicht, der dafür auch von einem Priester verprügelt wird, weil er über Jesus lästert. Klar ist dabei in jedem Moment: Das Ea-Evangelium hat viele (Kino-)Jünger verdient.

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