Dancing in Jaffa

Dokumentation, USA 2013
Dokumentarfilm eines interkulturellen Projekts

Dokumentarfilm eines interkulturellen Projekts

Wer sich im Ballsaal die Hände reicht, muss miteinander auskommen, sonst endet es in peinlichem Gestolper. Die Belohnung: Harmonie für den Moment. Der vierfache Weltmeister im Gesellschaftstanz, Pierre Dulaine, glaubt fest an die Kraft des Tanzes. Deshalb hat er sein Projekt "Dancing Classrooms" aus den USA nach Israel gebracht, wie der Dokumentarfilm "Dancing in Jaffa" zeigt.

Dass es nicht leicht werden würde, israelische und palästinensische Jugendliche gemeinsam zu unterrichten, war Dulaine von Anfang an klar. "Ich bitte sie darum, mit dem Feind zu tanzen", sagt er im Film. Alle sind skeptisch. Und muslimische Eltern sorgen sich auch um die Moral, jenseits aller Religionen. Ein Bub und ein Mädchen an der Schwelle zur Pubertät, die sich an den Händen fassen und zur Musik bewegen? "Aus der Sicht des Islam ist es Buben und Mädchen nicht erlaubt, zusammen zu tanzen", bringt es eine Mutter bei einem Elternabend auf den Punkt. Und auch ein jüdisches Mädchen sorgt sich: "Wenn mein Vater mich mit einem Araber sieht, tötet er mich", erzählt sie ihren Freundinnen.

"Einen Jungen und ein Mädchen in diesem Alter zum Tanzen zu bringen, ist immer eine Herausforderung", sagt Dulaine. Das sind auch die komischen Seiten des Films, wenn sie sich betont lässig gegenüber stehen und jenseits aller Moral und Religion entsetzt sind, sich anfassen zu müssen. Erscheint doch in diesem Alter das andere Geschlecht mehr als suspekt.

Hier sei Vertrauen nötig gewesen, bei Kindern wie bei Eltern, erklärt der 69-Jährige Dulaine der dpa. Vertrauen, dass er durch seine Herkunft erlangen konnte, wurde er doch 1944 in Jaffa geboren, damals noch eine palästinensische Stadt, heute in Israel. Der Vater protestantischer Ire, die Mutter katholische Palästinenserin. Als Dulaine vier Jahre alt war, zog die Familie über Umwege nach Großbritannien, wo Dulaines Tanzkarriere begann.

Dulaine konnte also die Hemmungen meist überwinden, wie der Film zeigt. Auch das Verständnis für die gegenseitige Kultur wurde geweckt, war es für manche doch die erste Begegnung zwischen Juden und Palästinensern. Umso überraschender die Entdeckung, dass der Andere auch nett ist, Träume hat und sich ein Leben in Frieden und Freiheit, ohne Kampf wünscht. "Erst habt ihr mich ausgelacht, dann wurden wir Freunde", formuliert es eines der Kinder im Film.

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