Creed - Rocky's Legacy

Drama, USA 2015

Creed jr. muss durch die harte Schule von Rocky Balboa

Fans der "Rocky"-Filme mit Sylvester Stallone in der Hauptrolle dürfen sich über einen Ableger der Reihe freuen. In Ryan Cooglers "Creed - Rocky's Legacy" schlüpft Stallone erneut in die Rolle des Rocky Balboa. Diesmal tritt aber Balboa als Trainer an, der sich um den jungen Adonis Johnson kümmert, Sohn des Apollo Creed, eines ehemaligen Boxgegners und Freundes von Rocky Balboa.

40 Jahre sind bereits vergangen, seit 1976 der erste Teil einer der legendärsten Filmsagas in die US-Kinos kam: Mit "Rocky" startete eine Reihe, die längst nicht nur zu den Klassikern des Box-Films gehört, sondern auch wie kaum eine zweite exemplarisch die Geschichte eines Underdogs erzählt, der sich seinen Weg nach oben erkämpft. Fünf Sequels folgten auf "Rocky", zuletzt 2007 "Rocky Balboa". In "Creed - Rocky's Legacy" steigt Stallone nicht selbst als Boxer, sondern als Trainer eines jungen, vom Newcomer Michael B. Jordan verkörperten Talents in den Ring.

Erstmals zeichnet Stallone zudem nicht wie bei allen bisherigen "Rocky"-Teilen fürs Drehbuch verantwortlich. Die Regie kommt von US-Regisseur Ryan Coogler, der bisher mit "Fruitvale Station" (mit Michael B. Jordan) erst einen Langfilm veröffentlicht hat.

Adonis Johnson (Jordan) hat seinen berühmten Vater, den Boxer Apollo Creed, nie kennengelernt. Der starb bei einem Kampf im Ring (zu sehen in "Rocky 4"). Adonis aber hat von seinem Dad einiges an Talent mitbekommen. Also gibt er den Job bei einem Finanzunternehmen auf, um sich dem Boxen zu widmen. Johnson reist nach Philadelphia, um sich dort von Rocky (Stallone), dem einstigen Gegner und späteren Freund seines Vaters, zu einem richtigen Fighter ausbilden zu lassen. Balboa hat mit dem Boxsport abgeschlossen und weigert sich zunächst, dem jungen Kämpfer zu helfen.

Zwischen Rocky aber, dessen eigener Filius weit entfernt lebt, und Adonis entwickelt sich so etwas wie eine Vater-Sohn-Beziehung. Schließlich wird Rocky doch zu seinem Trainer. Einer steilen Karriere des immer besser boxenden Adonis steht nichts mehr im Weg, da erkrankt Rocky an Krebs. Einer Chemotherapie aber möchte sich der vormalige Starboxer, der schon seine Frau an die Krankheit verloren hat, nicht mehr unterziehen.

Für Fans der "Rocky"-Filme hält auch "Creed" einige schöne Reminiszenzen und Gänsehaut-Momente parat. Da sind einmal schwarze Chucks zu sehen, so wie sie Balboa schon im ersten Teil von 1976 trug; der gealterte Rocky trägt sie freilich nicht mehr, so wie einst, zum Joggen. Da ist die immer noch recht bescheidene Wohnung Balboas, zu dessen Interieur wie damals auch eine Schildkröte gehört, da ist der kleine Ball, den Balboa so gern mit sich führt.

Viele dieser Erinnerungen kommen ganz unaufdringlich daher, hier beweist Regisseur Coogler, der erst 29 Jahre zählt, sein Talent. Auch die längst in die Filmgeschichte eingegangene Treppe zu Füßen des Philadelphia Museum of Art (auch bekannt als "Rocky Steps") kommt wieder zu Ehren. Bei all diesen Anspielungen muss man dem Regisseur zugutehalten, dass es nie zu pathetisch wird.

Selbst die Erkrankung Balboas, immerhin lebensbedrohlich, spielt mehr am Rande eine Rolle. Was nicht zuletzt auch dem altersweisen und trockenen Humor Balboas, respektive Stallones, zu verdanken ist. Im Juli wird Sylvester Stallone, von seinen Fans liebevoll "Sly" genannt, 70 Jahre alt. Man sieht dem Schauspieler, der von der Kritik ob seiner darstellerischen Fähigkeiten nicht immer gänzlich ernst genommen wurde, auch ein jedes dieser Jahre an. Wenigen Darstellern allerdings ist ein derart entspannter und selbstironischer Umgang mit der eigenen Hinfälligkeit gegeben wie Stallone.

Es ist erstaunlich, mit welch großer Selbstverständlichkeit ein so junger Regisseur wie Coogler mit einer von so vielen verehrten Reihe wie "Rocky" umgeht. Ein stets zwar respektvoller, aber doch auch erfrischender Umgang mit einer in die Jahre gekommenen Legende. Statt Bill Contis teils melancholischer Musik von 1976 etwa gibt es diesmal viel Rap zu hören; überhaupt ist "Creed" recht stark in der afroamerikanischen Kultur verwurzelt, auch der Regisseur selbst ist Afroamerikaner.

Der sehr gelungene "Creed" zwar wird wohl keinen Oscar holen in der Kategorie "Bester Film" (dafür hat der Jahrgang zu viele starke Filme) bekommen, Stallone dafür konnte für seine Rolle einen Golden Globe als bester Nebendarsteller einheimsen - und kann somit auf den Oscar hoffen. Verdient hätte der Haudegen die Auszeichnung ob seiner so lässigen wie anrührenden Performance als Rocky Balboa in "Creed" allemal.

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