Crawl

Horror, USA 2019

Crawl

Vorsicht, bissig: Horror-Ass Alexandre Aja (Piranha 3D) beschert uns mit Crawl einen flotten Reißer um zwei Menschen im Clinch mit einem Alligator.

Filme, in denen Tiere für Horror sorgen, üben auf Menschen seit jeher eine große Faszination aus. Auch wenn dieses Sub-Genre Jahr für Jahr eine veritable Flut an in jeder Hinsicht lachhaftem Trash hervorbringt, erfreut sich der klassische Tierhorrorfilm nach wie vor großer Beliebtheit. Ganz egal, ob Hunde (Cujo), Haie (Der weiße Hai), Ameisen (Formicula), Spinnen (Arachnophobia), Ratten (Ben) oder Krokodile (Rogue – Im falschen Revier) – Hollywood hat die meisten Tiere zumindest schon einmal zu Protagonisten eines halbwegs anständigen Horrorfilms gemacht. Nachdem sich die alljährliche Dosis in puncto Tierhorror in den vergangenen Jahren mit The Shallows – Gefahr aus der Tiefe, 47 Meters Down und The Meg vor allem auf den Hai konzentrierte, widmet sich Crawl von Horrorspezialist Alexandre Aja (High Tension, Piranha 3D) den filmisch nicht minder effektiven Alligatoren.

Das Grauen lauert im Keller …

Haley (Kaya Scodelario) ist eine Schwimm-Stipendiatin, die an der Universität in Gainesville, Florida, studiert – und für Wettkämpfe trainiert. Ihre Leidenschaft für den Schwimmsport verdankt sie ihrem Vater Dave (Barry Pepper), der sie schon in frühester Kindheit trainierte und zu allen Turnieren begleitete. Als die Ehe der Eltern in Brüche ging, brach auch der Kontakt zu ihrem Vater ab. Ab und zu gibt's einen Anruf, um sich pflichtgemäß nach dem Befinden zu erkundigen. Haley hat Dave die Trennung von ihrer Mutter nie verziehen und sich von ihm entfremdet. Doch nun nähert sich der Küstenregion ein Hurrikan der Warnstufe 5. Die Behörden ließen die meisten Ortschaften nahe der Küste bereits evakuieren, als Schwester Beth sich bei Haley rührt. Sie macht sich große Sorgen um ihren Vater, da er seit geraumer Zeit nicht mehr ans Handy geht. Vielleicht hat Dave es verloren oder schlicht im Haus liegen lassen, als auch er die Gefahrenzone überstürzt verlassen musste, meint Haley noch beschwichtigend. Doch Beth widerspricht ihr vehement – dann hätte Dave längst einen anderen Weg gefunden, um Bescheid zu geben, dass alles okay ist. Das sieht am Ende auch Haley ein – und erklärt sich bereit, die paar Stunden in ihre Heimatstadt Coral Lake zu fahren und selbst nach ihm zu sehen. Kurz vor dem Ziel kann nicht einmal eine Straßensperre sie aufhalten. Nachdem Haley im Haus ihres Vaters zunächst nur auf den Familienhund Sugar traf, hört sie plötzlich Radiomusik aus dem Kriechkeller (auf Englisch „Crawl Space“): Sie klettert in die Tiefe und kriecht im feuchtdunklen und übel riechenden Keller zum Radio. Dort entdeckt sie hinter Abflussrohren schließlich auch ihren bewusstlosen Vater. Dave wurde offenbar attackiert – Brust und Schulter weisen tiefe Bisswunden auf, zudem hat er einen offenen Beinbruch. Was ist nur geschehen? Sei’s drum! Ihr Vater braucht dringend Hilfe, muss rasch ins nächste Spital. Also zerrt sie den Schwerverletzten mit aller Kraft zur Kellerstiege, wo Haley schließlich das ganze Ausmaß der brenzligen Situation bewusst wird. Denn offenbar sind Vater und Tochter nicht die einzigen Lebewesen im Keller. Im Gegenteil: Dank des rasch nahenden Sturms hat sich auch ein aggressiver Alligator in den engen Bereich unter ihrem Haus verirrt und den Keller als neues Revier auserkoren. Und dem passt es gar nicht, dass sich Haley hier aufhält. Er kracht buchstäblich durch die Stiege – einer von mehreren überraschend gelungenen „Jump Scares“ – packt Haley am Bein und klatscht sie immer wieder gegen eine Kellerwand. Als das Ungetüm sie wie durch ein Wunder wieder auslässt, nützt Haley die Chance, sich und ihren Vater wieder hinter fetten Abflussrohren in Sicherheit zu bringen. In der Folge hebt für die beiden Verletzten ein Kampf auf Leben und Tod an …

Gute alte Horror-Schule

Crawl entpuppt sich als handwerklich sauber inszenierter Horrorthriller, der schon in den ersten Filmminuten auf produktionstechnischer Ebene verdeutlicht, dass es sich hier nicht nur um einen billigen 08/15-Tierhorrortrash handelt. Die Spannung steigt schon, als sich Haley mit dem Wagen ins sturmumtoste Küstengebiet kämpft. Im Keller mit den niedrigen Decken zieht der erfahrene Horrorregisseur Alexandre Aja die Spannungsschraube dann konsequent und gnadenlos an. Bis dahin gibt’s so manchen visuellen Seitenhieb in Richtung Hai-Konkurrenz. Das war es aber auch schon mit Ausflügen in humoristische Gefilde. Wer sich hier lockere Sprüche der Protagonisten erwartet, wird enttäuscht. In Crawl geht’s um Alligatoren – und die haben nur eines im Sinn: fressen! Außerdem dulden sie in ihrem Revier keine Konkurrenz – jeder, der es betritt, gilt als Bedrohung und muss beseitigt werden. Was Crawl letzlich so unterhaltsam macht, ist die Tatsache, dass die beiden Darsteller – sympathisch verkörpert von Kaya Scodelario und Barry Pepper – trotz ihrer Verletzungen nicht gleich die Nerven verlieren, sondern auch in dieser Extremsituation versuchen, kühlen Kopf zu bewahren und gemeinsam eine Lösung für das Problem zu finden. Schließlich sind Menschen immer noch klüger als Alligatoren! Fazit: Ein alles andere als trashiger Mix aus Tierhorror und Katastrophenfilm, der Spaß macht und bestens unterhält!

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