Coco Chanel & Igor Stravinsky

Drama/Romanze, F 2009
Chanel sorgt für Stravinsky

Chanel sorgt für Stravinsky

Jan Kounens mehr oder weniger biografisches Liebesdrama "Coco Chanel & Igor Stravinsky" besticht vor allem durch aufwendiges Ambiente mit geschmackvoll gestalteten Innenräumen, Kleidern und Autos vom Beginn des 20. Jahrhunderts. Dazu passt, dass die Darstellerin der legendären Modeschöpferin Coco Chanel, Anna Mouglalis, nicht nur Schauspielerin ist, sondern auch Model für deren Couture-Haus.

Förmlich mit einem Paukenschlag beginnt es: Laute, dissonante Orchesterklänge, ein buntes Natur-Bühnenbild und wild stampfende Tänzer in Eingeborenen-Kostümen werden hier regelrecht zelebriert. Mit viel Mühe und Liebe zum Detail rekonstruieren Kounen und nicht zuletzt Kameramann David Ungaro die skandalbegleitete Uraufführung von Stravinskys Ballett "Le sacre du printemps" 1913 in Paris. Im schockierten, laut protestierenden Belle-Epoque-Publikum sitzt auch eine schlicht-elegant gekleidete junge Frau, die von der Aufbruch verheißenden Aufführung begeistert ist: Gabrielle Chanel, genannt Coco, Hutmacherin aus ärmsten Verhältnissen.

Als sie den Komponisten Stravinsky (Mads Mikkelsen) sieben Jahre später trifft, ist sie dank ihrer gewagt-funktionalen Jerseykleider, Damenhosen und flachen Schuhen reich und berühmt, er hingegen ein auf Unterstützung angewiesener Familienvater. Coco lädt das Ehepaar und seine vier Kinder ein, sich in ihrem schwarz-weiß eingerichteten Landhaus zu erholen.

Was in beider wahrer Leben ein Intermezzo war, pumpt der Spielfilm auf zum zweistündigen Melodram über Kunst und Leidenschaft, Liebe und Verantwortung. Vor allem die kreativen Schübe, die beide durch ihre verbotene, in expliziten Sex-Szenen vermittelte Passion erfahren, werden dick aufgetragen: Sie entwirft jetzt russisch inspirierte Kleider und arbeitet eifrig an ihrem avantgardistischen Parfüm Nr. 5. Er komponiert Kühnes. Die an Tuberkulose erkrankte Frau Stravinsky beginnt verzweifelt, um ihren Gatten zu kämpfen. Ganz am Ende bleiben den beiden nunmehr alten, einsamen Hauptbeteiligten nur ihre Erinnerungen.

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