Chevalier

Komödie/Drama, GR 2015
Die sechs Männer wollen herausfinden, wer von ihnen der Beste ist

Die sechs Männer wollen herausfinden, wer von ihnen der Beste ist

Eine imposante Steilküste, blaues Meer, Männer steigen mühsam aus den Fluten: Unwillkürlich denkt man bei dem griechischen Film "Chevalier" an gestrandete Flüchtlinge - ein Trugschluss. Athina Rachel Tsangari ("Attenberg"), Mitbegründerin der Greek New Wave, gelingt mit "Chevalier" eine brillant-fesselnde Studie über die menschliche Natur.

Seit einigen Jahren macht das neue griechische Kino mit unkonventionellen und zuweilen recht skurrilen Werken Furore. Um eine vordergründige Abbildung der Wirklichkeit (Finanz- und Flüchtlingskrise) geht es vielen Filmemachern dabei nicht, auch wenn die Misere immer mitschwingt. Vielmehr fragen Regisseure wie Yorgos Lanthimos ("Dogtooth") oder Yannis Economides ("Knifer") danach, was diese Krise mit den Menschen macht. Angesiedelt zwischen Komödie und Drama wartet Tsangari in "Chevalier" mit einer Reihe wunderbar bizarrer Einfälle auf.

Die Männer aus dem Meer entpuppen sich schnell als Taucher, die mit einer Luxusjacht durch die Ägäis kreuzen. Sie haben Fische gejagt - glücklich und stolz posieren sie mit ihrem Fang für ein Erinnerungsfoto. Das sollte das letzte Mal sein, dass man die sechs Männer, die durch Freundschaft, Familie oder Beruf miteinander verbunden sind, in solch einer Eintracht sieht. Kommen sie doch auf die verhängnisvolle Idee, aus Langeweile ein Spiel zu spielen: Wer ist der Beste? Und zwar in allem: Der Gewinner bekommt den "Chevalier" - einen Siegelring.

Dafür denken sie sich allerlei seltsame Spiele aus, die immer bizarrer und auch kindischer werden. Da wird der Blutzuckerspiegel ebenso verglichen wie die Erektionsfähigkeit. Bringt das Schlafverhalten Plus- oder Minuspunkte? Oder es wird um die Wette geputzt. Menschen können sehr fremdartige Wesen sein.

Immer mehr steigern sich die sechs Männern in das absurde Spiel hinein und immer stärker kommen dabei die unangenehmsten Verhaltensweisen wie Größenwahn, Selbstüberschätzung, Verrat, Demütigungen und üble Nachrede zum Vorschein. Aus vermeintlichen Freunden werden erbitterte Gegner.

"Wäre es nicht schön, immer Urlaub zu haben?", fragt der Doktor (Yorgos Kentros). Das klingt wie Hohn, wenn man den Platzhirschen bei ihren absonderlichen Männlichkeitsritualen zusieht. Aber sie sind nicht allein: "'Chevalier' ist ein Spiel, das wir jeden Tag spielen - bewusst oder unbewusst", sagte Regisseurin Tsangari in der Arte-Sendung "Tracks" und meinte damit, dass wir uns alle permanent gegenseitig bewerten. Es sei ein ziemlich absurdes Spiel, aber "das Leben ist absurd".

So skurril Tsangaris Studie menschlicher Verhaltensweisen auch sein mag, so bedrückend ist auch die immer bedrohlicher werdende Stimmung auf der Jacht. Und wenn das Leben ein Wettkampf ist, dann ist "Chevalier" eine klare Absage an ein friedliches Miteinander, das durch den Egoismus jedes Einzelnen permanent gestört wird.

Und doch steckt auch Hoffnung in "Chevalier", die ausgerechnet von dem etwas pummeligen Dimitris (Makis Papadimitriou) ins Spiel kommt. Er ist der vermeintliche Loser der Truppe, der noch immer bei der Mama wohnt und davon träumt, den perfekten runden Stein zu finden. Er bekommt sein Leben nicht wirklich auf die Reihe, aber Dimitris ist der Einzige, für den Loyalität kein Fremdwort ist - und der noch zu großer Form auflaufen wird.

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