Chanson d'amour

Drama/Romanze, F 2006
Depardieu als alternder Verführer

Depardieu als alternder Verführer

Im Normalfall gibt es Menschen, die Gerard Depardieu mögen und welche, die ihn nicht mögen. Doch im Fall des Films "Chanson D'Amour" von Xavier Giannoli existiert diese Trennung nicht. In der Rolle des alternden Provinz-Sängers Alain Moreau muss man den 58-jährigen großnasigen und beleibten Schauspieler einfach lieben.

Alain Moreau tingelt mit seinem Orchester durch die Tanzsäle der französischen Provinz. Er ist selbst ein Evergreen, mit einem breiten Repertoire und einem nicht nur routinierten Charme, der noch der betagtesten Oma das gute Gefühl gibt, ausgerechnet sie sei gemeint, wenn er von Liebe und Leben, von Hoffnungen, Erfahrungen und Enttäuschungen singt und den Kontakt zum Publikum sucht.

Doch die Zeiten sind nicht günstig, Karaoke bedroht die Welt der Tanzparkette und Ballhäuser mit ihrer Live-Musik, und auch privat geht es Alain nicht so toll. Seine Managerin, einst seine Frau, lebt nun mit einem anderen, bei seinen vielen Affären dient er den Frauen häufig nur als Mittel, ihre Männer und Freunde eifersüchtig zu machen.

Auch die junge Marion (Cecile de France), die im Immobilienbüro von Alains Freund Bruno (Mathieu Amalric) arbeitet, verfällt bei einem Besuch jener Bar, in der Alain für Stimmung sorgt, nach anfänglichem Sträuben den Werbungen des "Ladyman" (wie sie ihn später halb im Spaß, halb im Ernst charakterisiert und neckt) und landet noch in derselben Nacht mit ihm im Bett.

Doch damit beginnt der Film erst so richtig. Am nächsten Morgen ergreift Marion sofort nach dem Aufwachen die Flucht. Alain stellt sie zur Rede, analysiert die Situation in aller Offenheit und Schärfe - und bleibt hartnäckig. Da hilft es, dass er eigentlich ein Haus sucht. Maklerin Marion ist nun gezwungen, sich mit diesem in jeder Hinsicht schwierigen neuen Klienten ausgiebig auseinanderzusetzen.

"Schon als sehr junger Mann wollte ich einen Film mit Gerard Depardieu machen. Er war mein David Bowie oder Mick Jagger", erzählte Regisseur Giannoli. "Ich wollte den Leuten aber nicht den Depardieu geben, den sie gewohnt sind, ich wollte ihnen eine neue Facette dieses Genies zeigen." Das gelingt dem Regisseur tatsächlich, und so ehrlich und unverfälscht hat man den Schauspielstar schon lange nicht mehr gesehen. Das gibt der Figur große Intensität und Verletzlichkeit - dazu zählt, dass Depardieu sämtliche Chansons persönlich singt.

Jungstar Cecile de France ("L'Auberge espagnole"), die nicht nur für "Chanson D'Amour" zeigt dagegen sowohl das Selbstbewusstsein als auch die Liebessehnsucht der jungen Frau, die sich dagegen sträubt, dem zwar lästigen, doch immerhin ehrlichen Oldie einen Platz in ihrem Herzen einzuräumen. Am Ende wartet Regisseur und Drehbuchautor Giannoli noch mit einer wunderhübschen Schlussszene auf, die jeder für sich interpretieren muss. "Chanson D'Amour": ein Film zum Verlieben!

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