Cassandras Traum

Krimi/Drama, USA/GB/F 2007
Colin Farrell und Ewan McGregor als Brüderpaar

Colin Farrell und Ewan McGregor als Brüderpaar

Auf Woody Allen ist Verlass: Trotz seiner 72 Jahre dreht der New Yorker Regisseur mit schöner Regelmäßigkeit alle paar Monate einen neuen Film und bringt nun mit "Cassandras Traum" sein neuestes Werk in die Kinos. Die Hollywoodstars Ewan McGregor ("Trainspotting") und Colin Farell ("Alexander") geben darin zwei ungleiche Brüder aus der englischen Arbeiterklasse.

Die beiden Brüder geraten auf die kriminelle Bahn und werden sogartig in ihr Verderben getrieben. "Cassandras Traum" trägt wie schon seine unzähligen Vorgänger erneut die unverwechselbare Handschrift Woody Allens und variiert seine bekannten Motive: die Abgründe der menschlichen Seelen werden mit Hilfe pointierter Dialoge analysiert.

Die Brüder Ian (McGregor) und Terry (Farell) haben es nicht leicht. Der Automechaniker Terry verliert durch seine Vorliebe zum Alkohol und seine Spielsucht mehr Geld als er eigentlich besitzt. Und der ehrgeizige, jedoch wenig erfolgreiche Ian lernt die aufstrebende Theaterschauspielerin Angela (Hayley Atwell) kennen, die er mit seiner geplanten - aber unbezahlbaren - Hotelanlage in den USA für sich gewinnen will. In dieser Situation scheint Onkel Howard (Tom Wilkinson) ihr Retter in der Not. Der millionenschwere Bruder der Mutter ist bereit, den verzweifelten Männern finanziell unter die Arme zu greifen.

Doch so einfach geht es natürlich nicht. Stattdessen nimmt Allens Geschichte jetzt erst richtig Fahrt auf und stellt die altbekannte moralische Frage nach Gut und Böse, nach Richtig und Falsch. Denn Onkel Howard fordert eine Gegenleistung seiner Neffen - sie sollen einen unbequemen Gegenspieler aus der Welt schaffen. Während der eher einfältige Terry dabei große Zweifel hat und schon bei der Planung der Tat von Gewissensbissen zerfressen wird, sieht Ian in dem Mord die letzte kleine Hürde auf dem Weg zu seinem ersehnten Luxusleben.

"Cassandras Traum" - Allens dritter Film in London - ist wegen einiger dramaturgischer Schwächen dabei sicherlich wieder kein Meisterwerk wie das tiefgründige und vielschichtige "Manhattan". Der tragikomischen Schuld-und-Sühne-Geschichte fehlt auch der ironische Biss wie noch vor einigen Jahren dem gefeierten "Match Point", außerdem wirkt Allen in der Londoner Arbeiterschicht etwas deplatziert. Doch auch wenn "Cassandras Traum" damit zu den schwächeren Arbeiten im Oevre des Ausnahmeregisseurs gehört, ist es wegen seiner überraschenden Wendungen und der großartigen Darsteller durchaus unterhaltsam und amüsant.

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