Cake

Drama, USA 2014
Jennifer Aniston verkörpert eine schwer depressive Frau

Jennifer Aniston verkörpert eine schwer depressive Frau

Es ist ein Quantensprung von der topfrisierten, liebenswerten Rachel in der Sitcom "Friends" zur verbitterten Schmerzpatientin Claire im Indiedrama "Cake". Jennifer Aniston hat ihn gewagt - und wurde prompt als Oscar-Kandidatin gehandelt. Die Nominierung blieb zwar aus. Der Beweis, dass die Komödiendarstellerin auch im Charakterfach ernst zu nehmen ist, ist aber erbracht.

In Hollywood mag es schon reichen, Make-up-frei und mit fettigen Haaren vor die Kamera zu treten, um sich ein neues Image zuzulegen. Aniston (46) geht darüber hinaus, zeigt sich als Claire Bennett innerlich wie äußerlich hässlich. Von einem tragischen Verlust seelisch traumatisiert, nach einem Unfall mit Narben übersät und wegen chronischer Schmerzen von Wut zersetzt ist die Figur, die Aniston mit vollem Körpereinsatz, einnehmender Mimik und Gespür für selbstironische Momente verkörpert. Claires Leiden ist förmlich spürbar, wenn sie sich schweißgebadet im Bett windet oder, am zurückgeklappten Beifahrersitz ihres Autos liegend, bei jeder Straßenmulde zusammenzuckt.

Das Kunststück, Anistons bisherige Rollen aus seichten Komödien wie "Trennung mit Hindernissen" oder "Kill the Boss" gedanklich auszublenden, gelingt - auch wenn die grundsätzliche Sympathie für die Schauspielerin über manch Schimpftirade Claires hinweghelfen mag. Die abrupte Bösartigkeit, mit der Claire ihren Mitmenschen begegnet, ist es, die ihren Ehemann in die Flucht geschlagen und sogar ihre Schmerzsyndrom-Selbsthilfegruppe gegen sie aufgebracht hat.

Ihrer Rolle als "böse Hexe" ist sie sich bewusst, wie vereinzelte Anflüge von Komik zeigen, mit der Außenwelt hat sie dennoch abgeschlossen. Einzig ihre mexikanische Haushälterin Silvana (Adriana Barraza) ist loyal an ihrer Seite geblieben, sieht ihren ausufernden Tabletten- und Alkoholkonsum besorgt mit an und fungiert schon mal als Chauffeuse, wenn Claire wegen eines Pillenengpasses über die Grenze nach Tijuana will.

Bewegung kommt in Claires körperlich äußerst eingeschränktes Leben, als ihre Selbsthilfegruppen-Kollegin Nina (Anna Kendrick) Selbstmord begeht und kurz darauf in Claires Garten erscheint. Die surreale Begegnung löst in Claire Faszination für Ninas Schicksal aus und führt sie zu deren Mann Roy (stark: Sam Worthington) und dessen fünfjährigen Sohn. Die ungewöhnliche Freundschaft zu Roy, aber auch die brutale Ehrlichkeit, mit der Ninas Geist Claire konfrontiert, zwingt Claire zu einem Richtungswechsel, in dem auch die hohe Kunst des Kuchenbackens eine symbolische Rolle spielt.

100 Minuten dauert die zaghafte Transformation Claires, die einen nicht zuletzt wegen Anistons überzeugend dargestellter, immer stärker ausgeprägten Todessehnsucht mitunter einnimmt. Regisseur Daniel Barnz gibt zwar Raum für Leichtigkeit und drückt nicht auf die Tränendrüse, geht aber auch zu wenig in die Tiefe, strapaziert stattdessen verschwommene Rückblenden und platt erscheinende Halluzinationen. So bleibt sein Indiedrama "Cake" am Ende das, wofür es Jennifer Aniston auch grandios nutzt: Ein Vehikel für eine Schauspielerin, die mehr kann - und das hoffentlich künftig öfter zeigen kann.

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