Cäsar muss sterben

Drama, I 2012
Realität und Fiktion vermischen sich im Gefängnis

Realität und Fiktion vermischen sich im Gefängnis

Hinter Gefängnismauern entstand der neue Film der Italiener Paolo und Vittorio Taviani. In "Cäsar muss sterben" zeigen die italienischen Regie-Altmeister, was Kunst in Menschen bewirken kann. Karg in der Bildsprache, reich an Emotionen. Der diesjährige Berlinale-Gewinner "Cäsar muss sterben" der italienischen Regie-Brüder Paolo und Vittorio Taviani ist ein Experiment.

Schauplatz des Werks der mittlerweile 81 und 83 Jahre alten Filmemacher ist der Hochsicherheitstrakt im römischen Gefängnis Rebibbia. Hauptdarsteller sind die Insassen der Haftanstalt. Wegen Mordes, Raubes, Drogengeschäften oder Mafia-Mitgliedschaft verbüßen sie langjährige Strafen. Es sind harte, teils verbitterte Männer mit oft nur mühsam unterdrückten Aggressionen.

Doch jetzt müssen sie sich zusammenreißen und erstmal vorsprechen. Auf der Theaterbühne des Gefängnisses soll Shakespeares Drama "Julius Cäsar" aufgeführt werden. Nur wer den Regisseur überzeugt, darf mitspielen. Der Stolz und die Freude ist denjenigen Häftlingen anzusehen, die für die Rollen von Cäsar, Brutus, Cassius, Decius, Lucius, Octavius und Marcus Antonius ausgewählt wurden. Und das ist spätestens der Zeitpunkt, an dem der Kinozuschauer mehr wissen will über diese als Verbrecher verurteilten Menschen, über ihre Gefühle, Hoffnungen und Ängste.

Den Taviani-Brüdern ("Mein Vater, mein Herr", "Die Nacht von San Lorenzo") gelingt es zu zeigen, wie die Begegnung mit Kunst einen Menschen verändern kann. "Seit ich der Kunst begegnet bin, ist diese Zelle für mich ein Gefängnis geworden", wird später einer der inhaftierten Darsteller sagen. Meist in Schwarz-Weiß-Bildern zeigen die Tavianis in ihrem halbdokumentarischen Film, wie sich die Männer in die Shakespeare-Geschichte um Macht, Freundschaft, Verschwörung, Verrat und Mord einarbeiten, wie sie Parallelen zu ihrem eigenen Leben finden und wie die Theateraufführung durch Reibereien unter den Häftlingen in Gefahr gerät.

Die Grenzen zwischen dokumentarischen und inszenierten Szenen sind fließend und kaum merklich. Der Zuschauer blickt in kahle Gefängnisgänge und spartanische Zellen, meist aber direkt in die Gesichter der Protagonisten. "Wir hoffen, dass die Zuschauer, wenn sie nach Hause gehen, sagen können, dass auch ein Häftling, auf dem eine große Strafe lastet, zum Beispiel lebenslänglich, dass der auch ein Mensch ist und bleibt", so die Taviani-Brüder, deren Werk für Italien auch ins Rennen um den Oscar für den besten fremdsprachigen Film geht. "Cäsar muss sterben" ist ein berührender Film aus einer Welt, zu der wir sonst keinen Zutritt haben.

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