Caché

Drama/Thriller, F/A/D/I 2005
Auteil und Binoche in subtilem Kammerspiel

Auteil und Binoche in subtilem Kammerspiel

Dass Michael Haneke mit seinen Filmen Verstörung verbreitet, ist man gewohnt. In seinem neuesten Film "Caché" ("Versteckt") bleibt auch bis zuletzt verborgen, wer hinter jenen Videoaufnahmen steckt, die eine Familie in Angst und Schrecken versetzen. Während er die Auflösung verweigert, versteht er das Spiel mit der Spannung jedoch meisterhaft.

Georges, Moderator einer Literatursendung im französischen Fernsehen (Daniel Auteuil), erhält seltsame Videokassetten in den Vorgarten geliefert. Sie zeigen das Wohnhaus der Familie und signalisieren: Ihr steht unter Beobachtung. Dazu gesellen sich bald Kinderzeichnungen, die wie blutige Warnungen wirken: Ein Kopf, aus dessen Mund Blut fließt, ein Hahn, dessen Kehle durchgeschnitten ist. Georges und seine Frau Anne (Juliette Binoche) sind immer mehr beunruhigt, die Beziehung wird destabilisiert, zumal auch der zwölfjährige Sohn des Paares stundenlang unauffindbar ist und die geheimnisvollen Drohbotschaften offenbar mit der Kindheit von Georges in Zusammenhang stehen.

Dem saturierten Intellektuellen dämmert, wer hinter der Kampagne stecken könnte: Als Sechsjähriger wollten seine Eltern einen kleinen algerischen Jungen, Majid, Sohn eines bei ihnen auf dem Bauernhof arbeitenden Paars, adoptieren, nachdem er durch die blutigen innerfranzösischen Auseinandersetzungen rund um den Algerienkrieg zum Waisen wurde. Georges verhinderte damals jedoch durch allerlei Lügen die Adoption, Majid wurde abgeholt. Bald steht er dem völlig überraschten Fast-Halbbruder von einst gegenüber (Maurice Bénichou), doch während Georges in Albträumen die Ereignisse von einst wieder hochsteigen, verweigert er eine bewusste Konfrontation mit seiner eigenen Vergangenheit.

Es sind die alten Fragen von Schuld und Unschuld, Vertrauen und Vergebung, die Haneke in "Caché" stellt, doch selten zuvor hat er sie mit so unerbittlicher Beharrlichkeit und so großer handwerklicher Präzision gestellt. Zu dem gewohnt souveränen Umgang mit Licht und Kameraführung kommt die geschickte Verwendung des Video-Materials, bei der die Fragen von Autorenschaft und Manipulierbarkeit des Blicks nochmals zuspitzt werden.

"Caché" ist ein höchst subtiler Film, ein Kammerspiel der Verunsicherung, mit dem Haneke nach "Die Klavierspielerin" und "Wolfzeit" wieder an seine früheren Filme anschließt. Haneke at his best.

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