Burning

Drama, Südkorea 2018
Burning

Burning

Ein hochgelobtes Drama, das bei wichtigen Preisen aber übergangen wurde. Ist der Film ein Meisterwerk?

Acht Jahre lang hatte der südkoreanische Regisseur Chang-dong Lee (Secret Sunshine) keinen Film gedreht, dann entschied er sich, eine Kurzgeschichte von Haruki Murakami als Vorlage für sein neuestes Movie zu nehmen – und schon schien er damit ein Meisterwerk geschaffen zu haben. Die Kritiker weltweit überschlugen sich, beim Filmfestival in Cannes im Vorjahr erreichte er die höchste Wertung der Presse, die jemals (!) vergeben wurde, nämlich 3,8 von 4 Punkten. Bei der Oscarverleihung kam er als erster Film Südkoreas überhaupt auf die Short List, er war also knapp davor, nominiert zu werden. Aber: Zur Überraschung vieler Experten gab es doch keine Oscarnominierung, und in Cannes gewann auch ein anderer Film, Burning erhielt dort einen Trostpreis. Dafür kassierte er 35 Trophäen bei kleineren Festivals, nun läuft er in Österreich an. Was ist dran an dem Streifen? Ist er ein verkanntes Meisterwerk?

Dreierbeziehung

Jong-soo (Ah-in Yoo) ist ein Mittzwanziger, der sich in einer südkoreanischen Stadt mit kleinen Jobs über Wasser hält. Er sagt, dass er schreibt bzw. schreiben will. Romane, Novellen. Aber zu Papier gebracht hat er noch nichts. Eines Tages läuft er einer alten Schulfreundin Hae-mi (Jong-seo Jun in ihrem ersten Film) über den Weg. Er erkennt sie nicht, sie sagt, dass sie eine Schönheitsoperation hinter sich hat. Die beiden kommen nicht nur ins Gespräch, später landen sie auch im Bett und verbringen nette Stunden miteinander. Es wird aber keine Beziehung auf Dauer, weil Hae-mi dem verdutzten Jong-soo eröffnet, nach Afrika zu wollen. Ob er in dieser Zeit ihre Katze füttern kann? Der junge Mann sagt zu, nebenbei muss er sich auch um den Hof seines Vaters kümmern, weil der aufbrausende alte Herr wegen Körperverletzung im Knast sitzt. Nach einiger Zeit, in der Jong-soo brav die Katze fütterte, ohne sie jemals auch nur gesehen zu haben, ruft Hae-mi aus Nairobi an. Tags darauf wird sie zurück sein! Als Jong-soo sie vom Flughafen abholt, erlebt er aber eine böse Überraschung: Sie ist nicht allein, in ihrem Schlepptau befindet sich Ben (Steven Yeun aus The Walking Dead), den sie in Afrika kennengelernt hat. Und Ben scheint das genaue Gegenteil von Jong-soo zu sein: selbstbewusst, charismatisch und vor allem reich. Er fährt einen Porsche, sein Apartment entspringt einem Luxusdesign-Katalog. Ungut oder unsympathisch ist er aber nicht, er behandelt Jong-soo auch nicht von oben herab. Irgendwie ist das jetzt plötzlich eine Dreierbeziehung ohne Sex, man verbringt viel Zeit zu dritt. Bis eines Tages nach einem gemeinsamen Abend Hae-mi spurlos verschwindet, und Ben von seinem äußert sonderbaren Hobby erzählt …

Im Hinblick auf den Titel des Films muss man zunächst klarstellen, dass Burning ein „slowburner“ ist. Wer Südkorea bisher als Actionkino wahrgenommen hat, muss zur Kenntnis nehmen, dass dort auch langsame Dramen gedreht werden. Burning hat eine Laufzeit von klar über zwei Stunden, und Lee schert sich offensichtlich nicht um Leute mit geringer Aufmerksamkeitsspanne. Wer sich für Burning entscheidet, muss sich auch darauf einlassen, dass hier nicht viel passiert-dennoch ist man fasziniert von dem Sog, den diese vermeintliche Nicht-Handlung erzeugt. Zumal Lee mit Mystery-Elementen spielt. Gibt es die Katze in Hae-mis Apartment? Warum verschwindet die Frau von einem Tag auf den anderen? Und was genau ist mit Ben? Alle drei Charaktere sind auf ihre Weise interessant, Ben ist aber der spannendste. Als neutraler Zuschauer ist man zwar instinktiv auf der Seite des mittellosen Jong-soo und spürt richtiggehend seine Eifersucht auf den ausnehmend höflichen, weltgewandten Porschefahrer, aber wie so oft sieht man dem Antagonisten gerne zu. Dabei ist nicht einmal erwiesen, dass Ben ein Bösewicht ist. Es gibt aber subtile Hinweise, etwa als er bei einem Monolog von Hae-mi, der ihr persönlich sehr wichtig ist, nebenbei plötzlich gähnt – kommt auch nicht oft vor, dass Gähnen im Film so gut eingesetzt wird! Fazit: Vielleicht kein Meisterwerk, aber sehr interessant.

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