Bullyparade - Der Film

Komödie, D 2017

Riesenerfolg mit Winnetou-Parodie

20 Jahre nach ihrer TV-Premiere kommt die Sketch-Comedy von und mit Bully Herbig ins Kino: Leider nicht ganz so lustig wie erhofft.

Die wenigsten werden sich auf Anhieb daran erinnern, was sie am 24. Mai 1997 getan haben. Dabei nahm an diesem Tag ein Stück Fernseh-(und in weiterer Folge auch Kino-) Geschichte seinen Anfang: PRO 7 strahlte die erste Folge der ‚Bullyparade‘ aus, eine Sketchcomedy mit Protagonisten, die seinerzeit allenfalls Insidern ein Begriff waren. Michael „Bully“ Herbig kannte man nur im Münchner Raum durch lokale Radio- und Fernsehauftritte, Christian Tramitz verdiente sein Geld mit TV-Nebenrollen, vor allem aber als Synchronsprecher (z. B. für den Jefferson Darcy in der Sitcom ‚Eine schrecklich nette Familie‘), und Bully-Freund Rick Kavanian war ein echter No-Name. Die ‚Bullyparade‘ selbst war anfangs alles andere als ein Hit – was sich 2001 eindrucksvoll änderte, als quasi als Spin-off einer Serie in der Serie ‚Der Schuh des Manitu‘ an den Kinokassen rekordverdächtig abräumte. 11,7 Mio. Deutsche und 2,091 Mio. Österreicher lösten Tickets. Mit dem Bullyparade-Ableger ‚(T)Raumschiff Surprise -Periode 1‘ gelang Bully, Tramitz und Kavanian 2004 ein weiterer Riesen-Hit. Den Wunsch nach Fortsetzungen wollte Herbig den Fans freilich nicht erfüllen, dafür beglückt er sie jetzt mit dem späten Kino-Comeback der Bullyparade. Ein programmierter Kassenschlager? „Es kann alles passieren“, gibt sich der 49-Jährige im TV-MEDIA-Interview zurückhaltend. Und weiter: „Ich finde, wir schließen das Thema Parodie mit diesem Film mit einer gewissen Eleganz und Würde ab, egal, ob der Film gut oder schlecht läuft.“

Fünf Episoden

Inhaltlich beschränkt sich Bully, der für Regie, mehrere Hauptrollen, Drehbuch und Produktion verantwortlich zeichnet, auf fünf Episoden, die man vom Grundthema her aus der Bullyparade kennt.

  • ‚Zurück in die Zone‘: Im Intro des Films sind die sächsischen Brüder Jens (Kavanian) und Jörg (Tramitz) Kasirske drauf und dran, die Geschichte zu verändern. Sie wollen, um ihrer alten Tante einen Wunsch zu erfüllen, per Trabi-Zeitreise verhindern, dass David Hasselhoff 1989 an der Berliner Mauer auftritt.
  • ‚Winnetou in Love‘: Der Ober-Apache (Herbig) hat Amors Pfeil abbekommen und klärt sogleich seinen weißen Blutsbruder Old Shatterhand (Tramitz) auf, dass er eine gewisse Annette heiraten will. Klar, dass das für jede Menge Turbulenzen sorgt.
  • ‚Wechseljahre einer Kaiserin‘: Imperator Franz (Tramitz) ist mit seiner Sissi (Herbig) und dem ängstlichen Feldmarschall (Kavanian) zu einem Schloss unterwegs, das ihnen ein Immobilienmakler angeboten hat. In dem Gemäuer stimmt aber etwas nicht.
  • ‚Lutz of Wall Street‘: Dauerstudent Lutz (Herbig) wurde in New York beim Schwarzfahren erwischt und braucht dringend 60 Dollar, sonst landet er im Gefängnis. Sein nerdiger Kumpel Löffler (Kavanian) hat die rettende Idee: Mithilfe von Finanzhai Money Maker (Tramitz) soll an der Börse der "Rubel" rollen.
  • ‚Planet der Frauen': Das Weltall-Trio Captain Kork (Tramitz), Mr. Spuck (Herbig) und Schrotty (Kavanian) landet in einer fremden Welt, wo schöne Damen das Sagen haben, die aber von King Klon (Kavanian) und seiner Klon-Armee bedroht ist.

Originelle Intro, kaiserliches Highlight

Die beliebtesten Charaktere aus der TV-Comedy in fünf Kurzfilmen, reichlich abgefahrene Einfälle, dazu Gastauftritte deutscher Schauspiel-Stars (die sichtlich Spaß dran hatten) – da sollte eigentlich der Schmäh rennen. Sollte, denn das Gagfeuerwerk zündet leider vergleichsweise selten. Bis auf das originelle Intro, in dem die Kasirske-Brüder dank Digitaltechnik die Pressekonferenz des SED-Politbüromitglieds Günter Schabowski crashen, und die wirklich gelungene kaiserliche Episode, halten sich die Lacher beim ‚Bullyparade‘-Comeback in Grenzen. Mag sein, dass es daran liegt, dass Bully, Tramitz und Kavanian in die überlangen Sketches einfach zu viel reinpacken wollten und diese dadurch meist überfrachtet wirken. Mag sein, dass sich der Charme einer zum Teil vor Live-Publikum gespielten, billigen Comedy nicht 1:1 auf die Leinwand übertragen lässt. Schön für ‚Bullyparade‘-Fans ist, dass auch kultige Charaktere wie Biertrinker Siggi, Yeti, die wortakrobatischen Kastagnetten oder die tschechischen Journalisten Pavel und Bronko Kurzauftritte haben. Und zumindest bei den Outtakes am Schluss ist Schenkelklopfen garantiert …

Eine Serie und zwei Filme

1997 ließ PRO 7 die schrillschräge Sketchreihe vom Stapel (lief bis 2002), die aber nicht mehr als ein überschaubares Stammpublikum eroberte. Mit den Kino-Ablegern kam der Hype. Millionenpublikum. Die Western-Parodie ‚Der Schuh des Manitu‘ (2001) sahen 11,7 Mio. Deutsche und 2,091 Mio. Österreicher im Kino. 2004 legte Bully mit dem grellen Sci-Fi-Spaß ‚(T)Raumschiff Surprise - Periode 1‘ noch einmal nach: 9,1 Mio. Deutsche und 1,173 Mio. Österreicher lösten Kinotickets.

Unser großes Interview mit Michael Herbig, Christian Tramitz und Rick Kavanian können Sie hier lesen.

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