Buddenbrooks

Drama, D 2008
Gierig in den Untergang: August Diehl, Nina Proll

Gierig in den Untergang: August Diehl, Nina Proll

Selten trifft die Verfilmung eines historischen Romans so den Nerv der Zeit wie die "Buddenbrooks". Der Untergang einer Kaufmannsfamilie, in der alles dem wirtschaftlichen Erfolg unterworfen sind, wirkt angesichts der Finanzkrise als eindringliche Mahnung, andere Prioritäten zu setzen. Der starbesetzte Film von Heinrich Breloer entfaltet zudem das glamouröse Bild einer vergangenen Epoche.

Regisseur Breloer ist für seine hochwertigen Fernseh-Produktionen wie "Speer und Er" oder "Die Manns - Ein Jahrhundertroman" vielfach ausgezeichnet worden. Der Filmemacher sieht den Menschen immer im politischen, historischen Zusammenhang. Auch bei den "Buddenbrooks" - der 1901 erschienene Roman von Thomas Mann hat ihn seit seiner Jugend fasziniert - verankert er die Familie und ihre menschliche Krise in der Ökonomie.

Dabei geht es nicht nur um Gier und das Streben nach Erfolg. Wie der Literatur-Nobelpreisträger Thomas Mann in seinem Roman ziseliert auch Breloer im Film den Unabhängigkeitsdrang der Tochter Toni (Jessica Schwarz) heraus, den Bruderzwist zwischen dem Künstler Christian und dem Kaufmann Thomas Buddenbrook (August Diehl und Mark Waschke) und die eiserne Gefühlsdisziplin der Konsulin (Iris Berben). Und er zeigt, dass es kein richtiges Leben im Falschen gibt: Die Opfer, die die Familie über Generationen für den Erfolg bringt, fordern zu viel Kraft und Energie. Die Buddenbrooks gehen unter - daran kann auch Familienoberhaupt Jean Buddenbrook (Armin Müller-Stahl) nicht ändern.

Gedreht wurde an vielen Originalschauplätzen, allen voran dem "Buddenbrookhaus", in dem die Familie Thomas Manns gelebt hat. Aufwändige Kostüme und Ausstattung lassen die vergangene Zeit aufleben. Bei all den Stars und der historisch genauen Prachtentfaltung ist der Film aber doch eine jener Produktionen, die in jüngster Zeit unter dem Label "Amphibienfilm" Kontroversen in den Feuilletons entfacht haben. Eine aufs Fernsehen zugeschnittene Produktion, die auch im Kino bestehen soll.

Man sieht das etwa beim Schnitt: Bei jedem Ortssprung nach Lübeck oder Amsterdam wird brav kurz auf das Holstentor oder eine Gracht geschnitten. Das mag im Fernsehen funktionieren, dann weiß der Zuschauer, der möglicherweise nicht voll bei der Sache ist, wo er sich gerade befindet. Im Kino wirken solche Momente vor allem in ihrer Wiederholung ein bisschen hilflos und plump.

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