Bridge of Spies - Der Unterhändler

Drama/Thriller, USA/IND/D 2015

Versicherungsanwalt James Donovan (Hanks) soll KGB-Agenten verteidigen

Es klingt nach einem Steven-Spielberg-Film, wie er im Buche steht - und geht als solcher absolut auf: Mit dem Spionagethriller "Bridge of Spies - Der Unterhändler" nimmt sich der Hollywoodregisseur erneut einen historischen Stoff vor und holt zum vierten Mal Tom Hanks vor die Kamera - in einer Rolle, die ihm wie auf den Leib geschneidert scheint.

Die auf wahren Begebenheiten beruhende Erzählung beginnt 1957, am Höhepunkt des Kalten Krieges. Die USA und die Sowjetunion fürchten die Nuklearmacht des jeweils anderen und setzen hier wie dort Spione ein, um der Gegenseite zuvorzukommen. Mitten in den politischen Konflikt gerät der erfahrene Versicherungsanwalt James Donovan (Hanks): Er wird beauftragt, den in New York aufgegriffenen KGB-Agenten Rudolf Abel (Mark Rylance) zu verteidigen. Nach außen hin soll der Schein gewahrt werden, der verhasste Feind erhalte den amerikanischen Grundwerten entsprechend einen fairen Gerichtsprozess - dabei sehen ihn Regierung, CIA und sogar der Richter schon auf dem Elektrischen Stuhl.

Doch der anständige Donovan lässt das nicht mit sich machen. Erstens, weil er der Überzeugung ist, Abel habe nur ausgeführt, wofür er hergeschickt wurde - und verdiene dementsprechend dieselbe Behandlung, die man einem US-Spion auf anderer Seite wünschen würde. Und zweitens, weil ihm der ungewöhnlich unbesorgte Hobbymaler Abel auf Anhieb sympathisch ist. Also überzeugt er den Richter vom Wert seines Mandanten für einen möglichen künftigen Gefangenenaustausch - und hinterlässt durchaus Eindruck bei der CIA.

Als bald darauf der US-Pilot Francis Gary Powers (Austin Stowell) mit seinem Spionageflugzeug über sowjetischem Gebiet abgeschossen wird, schickt die CIA Donovan 1962 als "unabhängigen" Chefverhandler nach Berlin, um das wackelige Tauschgeschäft Abel gegen Powers einzufädeln. Doch es wäre nicht Donovan, würde er nicht auch hier aus der Reihe tanzen.

Es macht 140 Minuten wahre Freude, dem 59-jährigen Tom Hanks in dieser Rolle zuzusehen. In seiner vierten Zusammenarbeit mit Spielberg (nach "Der Soldat James Ryan" (1998), "Catch Me If You Can" (2002) und "Terminal" (2004) gibt der Oscarpreisträger mit bemerkenswerter Ruhe, unerschütterlichem Gerechtigkeitssinn und - später im eisigen Berlin - konstantem Schnupfen den einzig "standhaften Mann" (wie ihn Abel wiederholt nennt), der zwischen den Fronten die Bürgerrechte eines Einzelnen über fehlgeleitete nationale Interessen stellt. Mit dem britischen Theaterdarsteller Mark Rylance als stillem Spion der kleinen Gesten gibt er in der ersten Hälfte des Films dann auch ein wahrlich charmant-kauziges Gespann ab, das im Spannungsfeld für Momente der Leichtigkeit sorgt.

In weiteren Rollen sind u.a. Amy Ryan ("Birdman") als Donovans zu Recht besorgte Ehefrau sowie die beiden Deutschen Sebastian Koch (als DDR-Anwalt Vogel) und Burghart Klaußner (als Generalstaatsanwalt Ott) zu sehen, wurden Teile des Streifens doch in der deutschen Hauptstadt gedreht. Die Bilder des in Ruinen liegenden, verschneiten Berlins, in dem gerade die Mauer zwischen Ost und West hochgezogen wird, gehören mitsamt dem Showdown auf der extra für den Dreh gesperrten Glienicker Brücke zwischen Potsdam und Berlin zu den wirkungsvollsten des Films.

Doch auch andernorts erzeugt Spielberg Spannung und vermittelt das Gefühl einer politisch aufgeladenen Zeit - ob in ehrwürdigen Gerichtssälen, in denen Exempel statuiert werden, in dunklen, verregneten Gassen, in denen Männer in Hüten ständig über ihre Schulter blicken, oder in kargen Büros, in denen wichtige Männer viel reden, ohne sich je klar zu deklarieren. Hinter den smarten Dialogen stehen mit dem britischen Dramatiker Matt Charman und den Coen-Brüdern nicht zuletzt hochkarätige Drehbuchautoren. Das Ergebnis der Kollaboration ist ein hochspannendes, unterhaltsames Agentendrama und zugleich eine packende Charakterstudie über einen wenig bekannten Helden - mit dem unbestrittenen Helden Hanks.

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