Blutgletscher

Horror, A 2013
Das Ewige Eis "blutet"

Das Ewige Eis "blutet"

Ein Gletscher kann nicht bluten. Auch ein "Blutgletscher" nicht. Aber jener Gletscher in den österreichischen Alpen, dessen rasantes Abschmelzen ein Wissenschafter-Team von einem hoch gelegenen Forschungsposten aus unter die Lupe nimmt, sondert plötzlich rote Mikroorganismen ab, die sich höchst ungewöhnlich verhalten und die DNA jener, die mit ihnen in Berührung kommen, verändern.

Obwohl der Film von Marvin Kren auf dem aktuellen Thema der Klimakatastrophe aufsetzt, ist "Blutgletscher" weniger ein Ökoschocker als vor allem lupenreines Genrekino. Die Begründung für das monströse Aus-dem-Ruder-Laufen der Natur jenseits der Baumgrenze wird nur en passant gegeben - wohl im vollen Bewusstsein dafür, dass es sonst ordentlich knirschen würde im Gebälk des "wissenschaftlichen" Überbaus.

Doch Kren geht es nicht um Plausibilität. Er arbeitet von Anfang an ungeniert und ungehemmt mit Stilmitteln wie bedrohlicher Musik, roter Einfärbung von Filmbildern, kurzen Schwenks über gefährliche Kreaturen und die Zuspitzung des Geschehens zu klassischen Momenten der ultimativen Bedrohung: Der Raum wird eng, das Böse steht vor der Tür, und Rettung ist nicht in Sicht. Dass da bald Nerven wie Stimmbänder reichlich gespannt sind, ist nur natürlich. Dass der Film nicht schon bald unfreiwillig komisch wird, liegt nicht nur daran, dass er gut gemacht ist, sondern auch daran, dass er freiwillig komisch wird.

Marvin Kren hat ein gutes Gespür dafür, wann er die Horror-Show durch Hinzufügung von etwas Humor auflockern kann. Eine tragende Rolle dabei übernimmt die Mutter des Regisseurs, die Schauspielerin Brigitte Kren, die schon in "Rammbock", dem erfolgreichen Zombie-Film ihres Sohnes, Teil des Casts war. Als Umweltministerin mit dem sprechenden Namen "Frau Bodicek" kommt sie in Begleitung von Pressesprecherin, Fach-Referentin und Leibwächter für einen möglichst fototrächtigen PR-Termin zu Besuch auf die Forschungsstation, wo der Eigenbrötler Janek mit seinem Team soeben eine furchtbare Entdeckung gemacht hat.

In Toronto wurde Marvin Krens alpenländischer Monsterfilm in eine ehrenvolle Ahnenreihe gestellt. Mit Ridley Scotts "Alien" (1979) und John Carpenters "The Thing" (1982, deutscher Verleihtitel: "Das Ding aus einer anderen Welt") verglichen zu werden, ist wahrlich nicht das Schlechteste, das einem österreichischen Film passieren kann. Jetzt bräuchte er nur noch annähernd so viele Zuschauer wie die US-Vorbilder...

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