Blau ist eine warme Farbe

Drama/Romanze, F/B/E 2013
In Cannes war von exzessiven Sexszenen die Rede

In Cannes war von exzessiven Sexszenen die Rede

Als "Blau ist eine warme Farbe" in Cannes die Goldene Palme gewann (ebenso wie die beiden Hauptdarstellerinnen), war von den "exzessiven Sex-Szenen" zwischen den Protagonistinnen die Rede. Doch Abdellatif Kechiches Film erzählt nicht nur von einer lesbischen Liebe, sondern von Verlangen und Verrat, von Sexualität und Beziehung. Und das so unmittelbar, dass man sich nicht entziehen kann.

Adele (Adele Exarchopoulos) geht in die elfte Klasse. Sie ist eine gute Schülerin, interessiert sich insbesondere für Literatur und will später einmal Lehrerin werden. Mit ihren Eltern lebt sie in kleinbürgerlichen Verhältnissen irgendwo außerhalb von Lille. Die Eltern sind ihr zugewandt, freundlich, interessiert. Adele macht mit dem netten Thomas ihre ersten sexuellen Erfahrungen. Thomas ist ein guter Typ, doch irgendetwas fehlt ihr. Nach kurzer Zeit beendet sie die Beziehung. Nichts Ungewöhnliches für eine Teenagerliebe.

Eines Tages begegnet sie auf der Straße einer jungen Frau mit blauen Haaren, eng umschlungen mit einer anderen Frau, und es trifft Adele wie der Blitz. In einer Lesbenbar, in der sie halb unbewusst, halb bewusst nach ihr sucht, trifft sie die Frau tatsächlich. Wenig später schwirrt Emma (Lea Seydoux) wieder ab, nicht ohne vorher Adele nach dem Namen und der Schule gefragt zu haben, die sie besucht. Und tatsächlich steht Emma wenig später lässig an eine Laterne gelehnt vor der Schule.

Adele stürzt sich in ein bodenloses Glück mit Emma, in exzessiven Sex wie im Rausch. Für Adele werden die Liebe zu Emma, der Sex und die Intimität elementar, doch die Nähe schwindet im Laufe der zehn Jahre, die der Film die beiden begleitet. Emma ist inzwischen auf dem Sprung, eine große Malerin zu werden, bewegt sich in anderen Kreisen als die Vorschulpädagogin Adele, die ihren Job zwar liebt, aber vor allem Emma. Emma reicht das nicht. Nach einem Betrug, weil sich Adele so einsam fühlt, kommt es zur lautstarken und tränenreichen Trennung, die kaum auszuhalten ist.

Der Film bietet viele Möglichkeiten der Deutungen und zur Kritik. So widmet sich Kechiche vieler allzu plakativer Symbole, verharrt auch mal zu lange auf Adeles mit Tomatensoße verschmiertem Mund. Und doch ist "Blau ist eine warme Farbe", basierend auf der Graphic Novel von Julie Maroh, vor allem eine sehr intensive Betrachtung der Liebe und wie sie in einer Beziehung irgendwann erlischt - egal ob hetero- oder homosexuell.

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