Black Book

Thriller/Kriegsfilm, NL/B/GB/D 2006
Darf man den Feind lieben?

Darf man den Feind lieben?

Paul Verhoeven ("Basic Instinct") gilt als einer der provokantesten Hollywood-Regisseure. "Es hat mich immer schon gereizt, zu provozieren", sagt der 68-jährige Niederländer über seinen Streifen "Black Book". Widerstand, Liebe und Verrat unter der deutschen Besatzung, plus das Tabuthema des "guten Nazis" - einige seiner Landsleute in den Niederlanden empfanden das als echte Zumutung.

Die jüdische Sängerin und Variete-Schönheit Rachel Stein (Carice van Houten) versucht, mit anderen Juden auf einem Schiff in den bereits befreiten Süden der Niederlande zu fliehen. Doch die Gruppe gerät nach einem Verrat in einen Hinterhalt der Nazis, die Sängerin muss mit ansehen, wie alle anderen erschossen werden. Nur sie überlebt als einzige das Grauen. Daraufhin schließt sich die Schöne dem niederländischen Widerstand an; als erste Aufgabe soll sie einen Nazioffizier (Sebastian Koch) ausspionieren. Tatsächlich schafft sie es, Wanzen in sein Büro zu schmuggeln, erhält eine Anstellung von dem Deutschen, und auch ansonsten wickelt sie den Mann um den Finger - doch sie kann nicht verhindern, dass sie sich in ihn verliebt.

"Ja, es geht bei dem SS-Mann um den guten Deutschen", sagt Verhoeven mit einer Unbefangenheit, die unter Niederländern bei diesem Thema nicht eben häufig ist. "Der Mann war Teil des Systems, aber der Mann war okay." Tatsächlich scheint der Offizier von der Gewalt der Nazis eher angewidert, er widersetzt sich sogar einem Erschießungsbefehl. Er geht ein Liebesverhältnis mit der Schönen ein, obwohl er weiß, dass sie Jüdin ist. Verhoeven betont, die Story beruhe auf einer wahren Begebenheit. "Es gab in Holland eine Menge Juden, die ein Verhältnis mit Deutschen hatten".

Am Ende geraten die niederländische Widerstandskämpferin und der deutsche Nazi im jeweils eigenen Lager unter Verdacht. Beide entschließen sich, gemeinsam unterzutauchen. Nicht einmal das Ende des Krieges bringt ihnen den ersehnten Frieden. "Alles, was sie sich nur vorstellen können, passiert. Das haben mich meine Nachforschungen über den Zweiten Weltkrieg gelehrt", sagt Verhoeven zu seinem Epos. "Jeder Überlebende ist irgendwie schuldig."

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