Bis zum Horrizont, dann links!

Komödie, D 2012
Penionisten brechen aus dem Alltag aus

Penionisten brechen aus dem Alltag aus

Wenn Ruheständler ein Flugzeug kapern, wird es lustig. Bernd Böhlich erzählt in seiner Komödie "Bis zum Horizont, dann links!" von einer ungewöhnlichen Reise gen Süden. Für seine Seniorenkomödie versammelt Böhlich so renommierte wie betagte Darsteller vor der Kamera: von Theatergröße Otto Sander über Angelica Domröse bis Herbert Feuerstein und Anna Maria Mühe.

Trostlos ist das Dasein im "Abendstern", einem typischen deutschen Seniorenheim. Zwischen Lesenachmittag, Bewegungstherapie und ewig langweiligen Abenden bleibt den Bewohnern kaum Luft zum Atmen. Tiedgen (Sander) hat das längst erkannt, der stets gut gekleidete Herr hält mit seinem Frust auch kaum hinterm Berg. Für die elegante und noch sehr rüstige Annegret (Domröse) ist alles neu, gerade erst hat sie der Filius ins Heim abgeschoben.

Eines Tages sind die Pensionisten zu einem Rundflug in einer eine historischen Propellermaschine geladen. Tiedgen wittert seine Chance und im Nu hat er die Maschine unter seiner Kontrolle. Der Eigenbrötler hat endgültig genug vom Alltag im Seniorenheim, er möchte so gern noch einmal in den Süden und ans Meer. Und so versucht er, den skeptischen Rest davon zu überzeugen, dass etwas Freiheit allen gut täte. Schließlich entscheiden sich die Pensionäre für die Flugzeugentführung; da bleibt auch den Piloten (Robert Stadlober und Tilo Prückner) keine andere Wahl. Wenn nur der Treibstoff nicht so knapp bemessen wäre...

All die erfahrenen Darsteller sind wunderbar in Böhlichs Komödie: Marion van de Kamps der Vergangenheit nachhängende Schauspiel-Diva, das herrlich spießige Ehepaar Miesbach (Herbert Feuerstein und Monika Lennartz). Vor allem aber Angelica Domröse und Otto Sander, deren Figuren sich allmählich näher kommen, ragen heraus. Sanders Misanthrop ist der Frust übers einengende Leben im Seniorenheim geradezu ins Gesicht geschrieben.

Böhlichs sympathische Komödie jedoch richtet sich vor allem an Kinogänger jenseits der 50, wenn nicht der 60. Für ein jüngeres Publikum fällt die Inszenierung zu artig und gemächlich aus. Bewegend aber ist die Story von den Alten, die ganz zum Schluss auf einer griechischen Insel landen, allemal.

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