Birdman

Komödie/Drama, USA 2014
Riggan kracht mit Kollegen Mike zusammen

Riggan kracht mit Kollegen Mike zusammen

Um Schauspieler Michael Keaton ist es in den letzten Jahre vermehrt ruhig geworden. Zuletzt drehte er Filme wie "Die etwas anderen Cops" sowie ein "RoboCop"-Remake, dabei hatte er Anfang der 1990er-Jahre mit Tim Burtons "Batman" seinen großen Durchbruch. Und gerade dieses "abgehalfterter Star"-Image verleiht ihm in dem neunfach Oscar-nominierten "Birdman" eine ungeahnte Glaubwürdigkeit.

Denn auch Keatons Figur Riggan Thomson war vor geraumer Zeit ein gefeierter Hollywoodstar, der mit seinen "Birdman"-Filmen zu den Avantgardisten der Comic-Verfilmungen zählte. Doch die Jahre vergingen und die Rollen blieben aus. Nun wagt sich der abgehalfterte Darsteller an ein Comeback: Er spielt und inszeniert am New Yorker Broadway ein Theaterstück von Raymond Carver - einem Schriftsteller, den er als Auslöser seines schauspielerischen Daseins ansieht. Als wäre dieses Unterfangen nicht schon Herausforderung genug, schlägt er sich gleichzeitig auch noch mit einer aufmüpfigen Tochter (Emma Stone), einem egozentrischen Co-Darsteller (Edward Norton) und weiteren alltäglichen Problematiken eines fast in Vergessenheit geratenen Akteurs herum. Sein größter Gegner ist und bleibt Riggan jedoch selbst - vor allem wenn sein Alter Ego "Birdman" immer wieder bei ihm durchschlägt.

Regie bei diesem außergewöhnlichen Film führt der zweifach Oscar-nominierte Alejandro Gonzalez Inarritu. Der Mexikaner, der bei "Birdman" auch als führender Produzent und Drehbuchautor fungiert, ist vor allem für seine bisherigen Werke "Babel", "21 Gramm" und "Biutiful" bekannt. In seinem neuesten Film spielt er nicht nur mit seinen Darstellern, sondern auch mit dem Publikum und inszeniert auf den Punkt genau. Inarritu versteht es, eine Brücke zwischen Realität und Fiktion zu schaffen, und liefert zweistündige Unterhaltung am fließenden Band - ohne Durchhänger oder Anflug von Langeweile.

Im Zentrum des Film steht die Darstellerregie. Allen voran Michael Keaton, der nicht nur einen Comeback-geprägten Schauspieler spielt, sondern letztlich auch einer ist. Ähnlich wie vor Jahren bei Mickey Rourke, als die Indie-Produktion "The Wrestler" einen fulminanten Erfolg feierte, so kann man auch bei Keaton von einer famosen Rückkehr in die Filmbranche sprechen. Komplettiert wird das überzeugende Ensemble von einem noch nie zuvor so lustig erlebten Edward Norton und einer noch nie so ernsthaft wirkenden Emma Stone.

Einer der - mehr oder weniger - heimlichen Stars des Films ist die Kameraführung: Der seit heuer - für "Gravity" - Oscar-gekrönte Emmanuel Lubezki beherrscht eine einzigartige Technik, in der darauf abgezielt wird, dem Zuseher mittels hautnaher Einstellungen eine neue Bandbreite an Emotionen zu übermitteln. In flüssiger, teils fliegender Abfolge wird man förmlich von Szene zu Szene gehievt. Ganz wie ein Vogel - oder "Birdman" - selbst.

"Birdman" winken heuer neun Oscars - und Michael Keaton könnte sich als "bester Schauspieler" profilieren.

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