‚Ben Hur‘: Geniestreich oder Enttäuschung?

Abenteuer/Drama, USA 2016

Ben Hur und Messala liefern sich einen erbitterten Kampf

Neuverfilmung des Epos um Liebe Verrat und Rache: Eine blutleer-unterbudgetierte Neufassung des 1959er-Filmklassikers von Timur Bekmambetov (‚Wanted‘), die auf leider jeder Ebene enttäuscht

Am 18. November 1959 feierte in New York der vielleicht monumentalste unter den Monumentalfilmen Premiere: Ben Hur. Dreieinhalb Stunden dauert das bis dahin teuerste Filmepos nach Lewis Wallace' Vorlage - und brachte neben Charlton Heston in der Titelrolle alle Mitwirkenden vor und hinter der Kamera an ihre Grenzen. 50.000 Statisten waren im Einsatz, dazu eine Million Requisiten. Produzent Sam Zimbalist starb vor der Fertigstellung an einem Herzinfarkt. Das Hollywoodstudio MGM setzte auf alles oder nichts - und das Wagnis gelang. Ben Hur avancierte zu einem der erfolgreichsten Filme aller Zeiten und kassierte elf Oscars. Das legendäre Wagenrennen, das in den Cinecitta-Studios bei Rom mit 78 Pferden inszeniert wurde, schrieb Filmgeschichte -und so gilt Ben Hur für viele auch 57 Jahre nach Erscheinen als einer der besten Filme überhaupt.

Motto: Aus alt mach neu

Glühende Verehrer des Klassikers mögen es für Blasphemie halten, die Geschichte neu zu erzählen, dürfen dabei aber nicht vergessen, dass William Wylers Ben Hur genauso wenig die Erstadaption des Stoffes wie Fred Niblos kaum weniger berühmter Stummfilm von 1925 war - diese Ehre gebührt einem Zwölf-Minüter von 1907. Eine Neuverfilmung ist also legitim - und darum geht's in Timur Bekmambetovs 3D-Version.

Darum geht's in Ben Hur

Jerusalem, 25 nach Christus: Der jüdische Prinz Judah Ben Hur (Huston) und sein römischer Adoptivbruder Messala Severus (Kebbell) sind unzertrennlich. Bis Messala für das römische Reich in den Krieg zieht. Jahre später kehrt er als Tribun nach Jerusalem zurück, wo er auf Geheiß von Statthalter Pontius Pilatus (Pilou Asbaek) mit Judahs Hilfe Informationen über Widerstandskämpfer beschaffen soll, was dieser ablehnt. Nach einem Anschlag auf den Statthalter wird Ben Hur unschuldig verhaftet und zum Frondienst als Galeerensklave verurteilt. Jahre später gelingt ihm aber die Flucht.

Geniestreich oder Enttäuschung?

Ist Timur Bekmambetovs Neuadaption von William Wylers Klassiker nun ein überraschender Geniestreich oder eine 100 Millionen Dollar teure Enttäuschung? Leider eher Letzteres. Selbst wenn es einem gelingt, die Vorgänger bei Ansicht völlig auszublenden, wirkt diese Ben Hur-Neuauflage stellenweise wie ein TV-Movie. Die großteils unbekannten Darsteller sind okay, leider gelingt es Bekmambetov aber nicht, der zeitlosen Geschichte um Liebe, Verrat und Rache epische Wucht zu verleihen. Und wenn dann sogar das Wagenrennen nicht an jenes der 59er-Version heranreicht, fragt man sich, wie sich die Macher mit dieser Ben Hur-Lightversion zufriedengeben konnten. Ein Flop mit Ansage!

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