Bel Ami

Drama, GB/F/I 2012
Bel Ami in seiner Paradepose

Bel Ami in seiner Paradepose

In der Hauptrolle eines keuschen Vampirs in der rund um den Globus erfolgreichen "Twilight"-Serie verführte Robert Pattinson seine Partnerin Kristen Stewart. Jetzt darf der 25-jährige in der Titelrolle der erneuten Verfilmung des 1885 erschienenen Romans "Bel Ami" von Guy de Maupassant die Stars Uma Thurman, Kristin Scott Thomas und Christina Ricci zu Sex-Spielen verführen.

Das Regie-Duo Declan Donnellan und Nick Ormerod hat die Adaption des weltberühmten Buches ganz auf die erotische Ausstrahlung des Hauptdarstellers zugeschnitten. Die in der literarischen Vorlage im Vordergrund stehende Kritik an einer Gesellschaft, die Geld und Macht gegenüber Geist und Menschlichkeit den Vorzug gibt, tritt dagegen nahezu völlig in den Hintergrund.

Illustriert wird der Aufstieg des von Freund und Feind als "Bel Ami" titulierten Habenichts' Georges Duroy zu einer "Stütze der guten Gesellschaft". Der Schönling schläft sich über die Betten der Gattinnen einflussreicher Männer nach oben. Das gibt Anlass für einige frivole Szenen. Während dabei Pattinsons berühmte Partnerinnen mit schauspielerischer Brillanz feine Charakterstudien entwerfen, wurde der Hauptdarsteller von Drehbuch und Regie allein auf die Rolle des sexlüsternen Schönlings festgelegt.

Bei Guy de Maupassant ist Georges Duroy ein Mann, der seinen Charme einsetzt, um sozial aufzusteigen. Er baut dabei mit enormer Energie auf seinen gesunden Menschenverstand. Dank ihm durchschaut er die Mechanismen einer auf materiellen Erfolg ausgerichteten Gesellschaft im Handumdrehen. In der Neuverfilmung steigt "Bel Ami" allein wegen seiner Verführungskünste auf. Pattinson muss denn auch ausgiebig seinen gestählten Körper vorführen. Aussagestarke Mimik hingegen braucht er nicht einzusetzen.

Wer hofft, Robert Pattinson in einer anderen Rolle als der eines Schönlings à la Edward Cullen in den "Twilight"-Romanzen zu erleben, wird enttäuscht. Er hat keine Chance, einen differenzierten Charakter zu gestalten. Der Engländer, der 2009 von der US-amerikanischen Zeitschrift "Glamour" zum "World's Sexiest Man" gewählt wurde, bleibt durchgehend auf Äußerlichkeiten festgelegt. Er muss pure Männlichkeit zur Schau stellen, wirklich schauspielern und die Entwicklung einer Figur zeigen darf er nicht.

Der Film punktet mit der starken Präsenz von Uma Thurman, Kristin Scott Thomas und Christina Ricci. Die drei ausgewiesenen Charakterschauspielerinnen halten in der in üppigen Bildern vom Paris des späten 19. Jahrhunderts schwelgenden Ballade mit Ironie und Können immerhin die Erinnerung an die berühmte satirische Vorlage von Guy de Maupassant wach.

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