Baywatch

Action/Komödie, USA 2017

Die Rettungsschwimmer von Malibu sind wieder zurück

Ein traumhafter Tag am Strand von Malibu, ein übermütiger, zu ertrinken drohender Wassersportler und ein Rettungsschwimmer mit gestähltem, braun gebranntem Körper in roter Badehose: Schon die ersten Minuten der Komödie "Baywatch" sind gespickt mit Elementen, die die Serie in den 90er-Jahren berühmt gemacht haben - mit einem Unterschied: jeder Menge Selbstironie.

Vor 20 Jahren jedoch, in seiner Hochphase, da war Baywatch -Die Rettungsschwimmer von Malibu nicht mehr und nicht weniger als die erfolgreichste, meistgesehene TV-Serie des 20. Jahrhunderts. Elf Staffeln zwischen 1989 und 2001, 243 Episoden, 144 Länder, auf deren Bildschirmen die roten Badeanzüge in Brusthöhe gefährlich angespannt wurden (Erika Eleniak! Carmen Electra!! Pamela Anderson!!!), ein Spin-off und Mitte der Neunzigerjahre rund eine Milliarde Seher weltweit -pro Woche! Trotzdem betrug der zeitliche Respektabstand 16 Jahre, ehe aus diesem Silikonund-Sixpack-Fernsehhochamt mit Softrock-Musikbegleitung eine 69 Mio. Dollar-Kinokomödie wurde, die das kalifornische Strand(über)leben wieder zum Zentrum der Welt macht -auch wenn der Film überwiegend in Florida gedreht wurde.

Darum geht's in ‚Baywatch‘:

Ober-Rettungsschwimmer Mitch (Dwayne Johnson) hat seinen Strand, den Emerald Beach, fest im Griff und praktisch jedem hier schon mal das Leben gerettet. Entsprechend beliebt und geachtet ist das gewaltige Muskelpaket, das seine Tattoos quadratmeterweise bestellen kann und so cool ist, dass eigentlich das Wasser frieren müsste, wenn er seine gepflegten Zehen nur eintaucht. Ebenso begehrt sind die Jobs bei den Rettungsschwimmern von Baywatch -nicht nur ein Job, sondern eine Lebenseinstellung. Mitch und seine Truppe, die er diesen Sommer neu aufstellt, retten nicht nur Zeitgenossen in Seenot, vom abgestürzten Kitesurfer bis zu Leuten auf brennenden Jachten. Sie kümmern sich auch um Stranddiebe, räumen giftige Seeigel weg, und vor allem würde Mitch gerne herausfinden, wer die Gegend mit einer speziellen Sorte Crystal Meth beliefert; immer wieder werden Säckchen von dem Zeug an seinen Strand gespült. Aber sein Boss hat ihm aus PR-Gründen den zweifachen Schwimm-Olympiasieger Matt (Zac Efron) aufs Auge gedrückt, der hier seine Bewährung abarbeiten soll.

Der junge Mann ist nicht nur so ausdefiniert, dass er wie seine eigene Actionpuppe wirkt, sondern auch noch ein aus der Bahn geratener Egomane, der sofort mit Neuzugang Summer (Alexandra Daddario) anbandelt und mit Mitch auf totalem Konfrontationskurs segelt. Aber es dauert fast zu lange, bis aus den beiden konkurrierenden Alpha-Tieren ein Team wird -denn die steile und gewissenlose Immobilienunternehmerin Victoria Leeds (Priyanka Chopra) hat Übles mit der Bay vor und außerdem ihre fein manikürten Finger in ganz finsteren Geschäften drin. Wenn sie den Strand unter ihre Kontrolle bringt, ist nichts mehr so, wie es einmal war, sondern dann regieren Kapitalismus und furchteinflößende High Heels ...

Unsere Meinung zu ‚Baywatch‘:

Nach den ungünstigen US-Kritiken und dem schwachen ersten Wochenende am Heimmarkt (nur 22,7 Mio.) war Schlimmes zu befürchten, aber es gibt wenigstens teilweise Entwarnung. Johnson und Efron sind nicht gerade Oscar-Anwärter, aber es macht doch Spaß, ihnen beim Streiten zuzusehen. Die Damen sind ebenfalls eine Augenweide: Kelly Rohrbach als C. J. Parker, die patente Rettungsschwimmerin, lässt die Herzen aller untrainierten Männer doppelt schnell schlagen, weil sie sich in den einzigen Moppel, Ronnie (Jon Bass), verliebt; Alexandra Daddario hat Augen wie Flakscheinwerfer, und Ilfenesh Hadera als Rettungsamazone Stephanie ist nicht nur wunderschön, sondern - so scheint es zumindest - fast so groß wie Dwayne Johnson.

Bollywood-Import Priyanka Chopra gibt dem Bösen ein verführerisches Aussehen samt tiefem Dekolleté, eingegossen ist alles in teils fetzige, sonnige und auf jeden Fall gute Laune machende Bilder. Gesteigert wird diese gute Laune auch durch ziemlich viel Selbstironie, sogar über die Serie, auf der alles basiert, macht man sich lustig. Das einzige Problem, das dem Film wohl auch an der Heimatfront das Genick gebrochen hat, ist die Unentschlossenheit von Regisseur Seth Gordon, wo er Baywatch tatsächlich verankert. Der Humor ist zwar effizient, aber teils extrem derb.

Fazit: Sommerfilm, der zwar nicht in die Geschichte eingehen wird, aber Spaß macht.

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