Babys

Dokumentation, F 2010
Zauberhaftes

Zauberhaftes

Die vier Hauptdarsteller sind so überzeugend, dass der Regisseur auf Dialoge und Text völlig verzichten konnte. Ein Skript hätte nichts genutzt, denn Hattie, Mari, Bayar und Ponijao können weder lesen noch verständliche Sätze von sich geben. Die Stars von "Babys" sind neue Erdbewohner, die der Dokumentarfilmer Thomas Balmès von der Geburt an bis zu ihren ersten Schritten mit der Kamera verfolgte.

79 Minuten lang dreht sich alles nur um ihre Welt. Die Eltern sind allenfalls Nebendarsteller, die nur angeschnitten und nie lange im Bild zu sehen sind. Der dreifache Vater Balmès, der zuvor Filme über UN-Soldaten in Bosnien, den Rinderwahnsinn in Indien und eine chinesische Zulieferfirma für Nokia drehte, war mit seinen Filmteams zwei Jahre lang unterwegs. Seine Darsteller fand er im Hochland der Mongolei, in der Wüstensteppe von Namibia, in den Hochhausschluchten von Tokio und in den Straßen von San Francisco.

400 Stunden Baby-Material musste Balmès am Ende auf 79 Minuten kürzen. Dabei verfällt er nicht in schnelle Schnitte und kurze Szenen, sondern lässt den Babys und den Zuschauern Zeit. Langweilig wird es bestimmt nicht, wenn man sich darauf einlässt, die Welt durch die Augen der Babys zu sehen. "Babys" ist weder ein Lehrfilm, noch eine Aneinanderreihung niedlicher Szenen. Es ist weder eine Kritik an der Wohlstandsgesellschaft noch eine Verklärung des einfachen Lebens in der Natur. Neugier, Freude, Frust, Begreifen und Lernen der Babys sind universell.

Der Film drehe sich nicht nur um Babys, erzählte Balmès vor dem US-Start im Mai der "New York Times". "Es geht um menschliche Wesen, die ihre Welt erleben". Und das kann so spannend sein wie ein Abenteuerfilm. Wenn ein Baby zum ersten Mal aufsteht, dann wolle man als Zuschauer vor Begeisterung applaudieren, meint der Filmemacher. "Das ist der ultimative 'Indiana Jones'-Moment. Jeder freut sich total, auch wenn es einfach nur ein Baby ist, das aufrecht steht".

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