Aus der Zeit

Dokumentation/ , A 2006
Manchmal steht die Zeit still

Manchmal steht die Zeit still

Spuren sichern, ehe die Zeit sie verwischt, ist eine klassische Aufgabe des Dokumentarfilms. Harald Friedl widmet sich in "Aus der Zeit" vier Wiener Traditionsbetrieben als Vertretern vom Aussterben bedrohter Gewerbe. Die Zeit selbst spielt passagenweise die Hauptrolle, kommt immer wieder zur Sprache.

"Hier ist die Zeit stabiler" sagt Katharina Jentsch in "Aus der Zeit" über ihren 1874 gegründeten Laden "Lederwaren Jentsch", ja "das Geschäft selber ist die Zeit", findet ihr Mann. Hier nimmt man sich auch noch die Zeit, jeden Auftrag "so gut wie möglich" zu erledigen. Die Kamera (Harald Pötscher) passt sich der bedächtigen Aufmerksamkeit an, die die Protagonisten ihren alltäglichen Verrichtungen, den Produkten und Materialien ebenso wie jedem Kunden angedeihen lassen.

Dabei legen die Räume und Dinge ein stumm-beredtes Zeugnis ab: Die abgetretene Schwelle in der vollgeräumten Lederwarenwerkstatt, in der Frau Jentsch darauf Wert legt, nicht Reparaturen sondern "Restaurierungen" durchzuführen, oder die weißen Holzregale und die Registrierkassa in Josef Kienesbergers Drogerie aus dem Jahr 1928, wo man noch Spanisch Leder und Buschlampenöl führt, und die Zeit noch mit alten Kalender-Steckkarten gezählt wird. Der einsame alte Herr erzählt von einer alten Zeit, die nicht immer eine gute war, von Lehrjahren bei einer jüdischen Familie, Arisierung und gestohlener Jugend im Krieg.

Frau Frimmel hingegen, eine Figur von Bernhard'scher Dimension, rotiert im K&K-Ambiente ihres 1844 gegründeten "Knopfkönig", nicht nur weil das Geschäft früher besser ging. Während für sie das Zusperren Erlösung von einem als tragisch empfunden Schicksal bedeutet, trauern über das Ende der Vorstadtfleischerei Fritz nicht nur die Inhaber: Hier war der "Kunde noch König", ist Herr Fritz stolz, und mancher hat für die persönliche Betreuung einen weiten Weg auf sich genommen.

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