Auf Augenhöhe

Komödie, D 2015

Michi ist mit zehn schon größer als sein Vater

Eigentlich macht Tom in dem Film "Auf Augenhöhe" alles richtig. Nach Jahren erfährt er, dass er einen Sohn hat, der seit dem Tod der Mutter in einem Heim lebt. Er besucht ihn, lädt ihn zu sich ein und bietet ihm sogar ein Zimmer an, damit der Bub ein richtiges Zuhause bekommt. Ein Traum für den elternlosen Michi, so scheint es. Wenn da nicht dieser Umstand wäre: Tom ist kleinwüchsig.

Mit 1,30 Meter ist er nicht der starke Vater, den Michi sich immer gewünscht hat und mit dem er vor seinen Freunden angeben möchte. Der Traum vom schönen Familienleben droht zu platzen. "Auf Augenhöhe" schildert die schwierige Beziehung zwischen Sehnsucht und Ablehnung liebevoll, komisch und anrührend. Dass der Film überdies ohne erhobenen Zeigefinger und mitleidheischende Betroffenheit auskommt, macht ihn zu einem besonders schönen und gleichzeitig nachdenklichen Erlebnis.

Die Regisseure Evi Goldbrunner und Joachim Dollhopf realisierten ihre Geschichte mit Hilfe der Initiative "Der besondere Kinderfilm", die originäre Stoffe ohne literarische Vorlage unterstützt. Einfühlsam zeigen sie Michis Welt im Heim, wunderbar gespielt von Luis Vorbach. Vor den anderen Burschen dort will der Zehnjährige den Starken geben, insgeheim sehnt er sich aber wie alle anderen nach Geborgenheit und Anerkennung. Daran können auch die liebevollen Erzieher Astrid (Mira Bartuschek) und Chris (Y-Titty-Star Phil Laude) nichts ändern.

Dann taucht Tom auf, den der Kanadier Jordan Prentice einfühlsam spielt. Mit seiner Kleinwüchsigkeit kommt er bestens klar, er ist sportlich, lustig und selbstbewusst. Als Michi sich als sein Sohn vorstellt, ist Tom aus dem Häuschen. Auch wenn er immer wieder Liebesbeziehungen hat - den Traum von Kind und Frau hatte er eigentlich aufgegeben.

Doch mit Michi kehren Toms Zweifel an seinem Äußeren mit voller Wucht zurück. "Mein Vater ist ein Zwerg!", regt sich der Zehnjährige auf. Und seine Freunde frohlocken: "Scheiße, wohl zu heiß gebadet!". Doch "Auf Augenhöhe" hält sich nicht mit diesen Äußerlichkeiten auf. Sie werden im Laufe des Films immer unwichtiger. Die entscheidende Frage ist vielmehr: Was macht einen Mann zu einem Vater, den man "Papa" nennt? Der Rest ist den meisten Eltern bestens vertraut. Denn kommt nicht bei allen Kindern ein Punkt, wo sie ihre Eltern infrage stellen und Vater und Mutter einfach nur peinlich sind?

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