Atmen

Drama, A 2011
Ein präziser Hauptdarsteller

Ein präziser Hauptdarsteller

Zwischen der Sonderstrafanstalt für Jugendliche in Wiener Neustadt und der Bestattung Wien hat Karl Markovics den größten Teil seines Regiedebüts mit dem Titel "Atmen" angesiedelt. Doch was mit dieser Locationwahl nach tristem Kino auf österreichische Art klingt, bewegt sich überraschend leichtfüßig und mit morbidem Witz gewürzt durch die winterliche Hauptstadt.

"Atmen" handelt von der Identitätssuche des 19-jährigen Roman Kogler (Thomas Schubert), der aus der Anstalt entlassen wird. Die Probezeit bei der Bestattung erweist sich, trotz der Skepsis des eher semi-sympathischen Bewährungshelfers, für den jungen Mann als gute Wahl. Die Arbeit führt ihn - über den Zufall einer Leiche mit dem gleichen Nachnamen - zum ersten Schritt, die eigene Herkunft aktiv zu erkunden. Und sie bringt ihm Rudi (Georg Friedrich), den anfangs feindseligen Kollegen, als väterlichen Freund und Mentor in sein Leben.

Georg Friedrich hat indes auch eine der eindrucksvollsten Szenen im Film, wenn er eine gerade gestorbene alte Frau wäscht und anzieht und dabei zärtlicher und fürsorglicher zu Werke geht, als er es vielleicht je zuvor vor der Kamera sein durfte. Von diesen Szenen, die einem länger im Gedächtnis bleiben, hat "Atmen" aber ohnedies einige: etwa die immer wiederkehrenden Unterwasserbilder, wenn Roman im Pool untertaucht, während die Mitgefangenen am Beckenrand ihre Füße ins Wasser baumeln lassen, oder die Szenen am Südbahnhof, wenn die gelb gekachelte Wand mit dem Urlaubsplakat den idealen Kontrast zur emotionalen Situation der davor sitzenden Personen liefert.

Markovics macht als Regisseur und Drehbuchautor keine Umschweife, erzählt geradlinig und schnörkellos, verlässt sich auf die Geschichte und seine Schauspieler (darunter Klaus Rott mit einigen schönen One-Linern). Der jazzig angehauchte Soundtrack lässt trotz der düsteren Umgebung ebenso keine wirkliche Tristesse aufkommen wie der schwarze Schmäh, der in angenehmen Portionen serviert wird. "Die richtige Leich im richtigen Sorg, zur richtigen Zeit am richtigen Ort", wird da etwa gereimt - und man kann sich vorstellen, dass dieser Humor dem gezeigten Milieu durchaus gerecht wird. Ob das realistische Lokalkolorit, auf den der Regisseur setzt, auch außerhalb Österreichs ankommt, wird sich weisen. Einen Weltvertrieb hat "Atmen" jedenfalls schon. In Cannes wurde der Film in der renommiertne Nebenreihe "Quinzaine des Realisateurs" ausgezeichnet.

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