Arrival: Aliens auf der Erde - wollen sie uns Böses?

Drama/Science Fiction, USA 2016

Banks und Donnelly sollen Kontakt mit den fremden Wesen herstellen

Getragen von sensationellen Bildern und einem hypnotischen Soundtrack erzählt Denis Villeneuves (Sicario) Science-Fiction-Drama mit Amy Adams über den Besuch von Außerirdischen

Seit mehr als 100 Jahren locken sie uns ins Kino. In unzähligen Filmen und Büchern besuchen wir sie oder werden von ihnen besucht - die Außerirdischen faszinieren ... Der Blick ins Weltall lässt erahnen, es gibt noch unzählige fremde Welten - unerforscht und voller Rätsel. Die Vorstellung von Leben auf entfernten Planeten regt die Fantasie an. Die Hauptanziehungskraft der Bücher und Filme, die sich mit Außerirdischen beschäftigen, ist deren Andersartigkeit.

Alien kommt von alienus - lat. für fremdartig

Aliens nennen wir sie, abgeleitet von "alienus" - lateinisch für fremd, fremdartig, also nicht vertraut -und schon gar nicht vertrauenswürdig. Wir wissen nichts über sie -und wenn andere für uns mögliche Bilder von ihnen erschaffen, schauen wir diese gerne an. Außerdem wecken die Aliens noch ein weiteres starkes Gefühl in uns Menschen: Angst! Schließlich wissen wir, wie es den Ureinwohnern Amerikas erging, nachdem ihr Land von Columbus entdeckt worden war. Wären wir die Entdeckten und außerirdische Wesen die Entdecker - diese Vorstellung ist uns nicht geheuer. Gut für die Aliens, denn genau diese Ängste sind es, die uns immer wieder ins Kino treiben. Wie sich Hollywood die Begegnung mit außerirdischem Leben vorstellt, dürfte bekannt sein. Das Aufeinandertreffen endet wahlweise in einer aufwendigen Materialschlacht (Independence Day), einem unheimlichen Albtraum (Alien) oder in märchenhaften Abenteuern (E.T. - Der Außerirdische). Nichts von all dem trifft auf Denis Villeneuves meditatives Science-Fiction-Drama Arrival zu, das sich nur als bildgewaltiges Alien-Invasions-Spektakel tarnt. In Wahrheit geht es in erster Linie um Kommunikation - und um uns Menschen.

Auf einmal sind die unbekannten Muschelobjekte da!

Plötzlich sind sie da. Zwölf riesige, muschelförmige Flugobjekte, über deren Herkunft nichts bekannt ist und die sich ohne erkennbares Muster über die gesamte Erde verteilen. Eines dieser unbekannten Objekte landet im ländlichen Montana, wo es von den Sicherheitsbehörden sofort abgeschirmt wird. Die Kontaktaufnahme mit den Außerirdischen gestaltet sich von Anfang an kompliziert, sodass der mit der Missions-Leitung beauftragte US-Colonel Weber (Forest Whitaker) die renommierte Sprachwissenschaftlerin Louise Banks (Amy Adams) für sein Erstkontakt-Team rekrutiert. Sie soll die mysteriösen Laute der Ankömmlinge entschlüsseln und Antworten auf die dringendsten Fragen finden. Woher kommen sie? Und warum sind sie hier? Unterstützung erhält sie dabei vom Physiker Ian Donnelly (Jeremy Renner). Zunächst ist aber Geduld gefragt, öffnet sich die Luke in der Außenwand doch nur einmal in 18 Stunden. Mittels einer Hebebühne gelangen Louise, Ian, Weber und einige Soldaten schließlich ins Innere des Raumschiffs, in das sie dank veränderter Gravitation weiter vordringen können. Am Ende eines Ganges befindet sich ein Empfangsraum mit einer Art Glaswand zum Schutz beider Spezies, hinter der sich zwei krakenförmige Siebenfüßer zu erkennen geben. Das Problem ist nun: Wie miteinander kommunizieren?

Mathematik als gemeinsame Sprache?

Die Suche nach einem universellen Code beschäftigte die Menschen schon vor rund 200 Jahren. Der deutsche Mathematiker Carl Friedrich Gauß setzte auf die Mathematik: Wenn ein Wesen intelligent genug sei, um logisch zu denken, müsse es mathematische Zusammenhänge erkennen können -jenseits der Sprache. Außerirdische Intelligenzen sollten also mathematische Botschaften verstehen, sofern man sie nur in geeigneter Weise übermittelt.

Gelöst wurde das Kommunikationsproblem in Filmen bisher meist mit mathematischen Formeln (Primzahlen) oder Licht-Ton-Installationen wie etwa in Steven Spielbergs Unheimliche Begegnung der dritten Art, also stets linearen, 1:1 übersetzbaren Systemen. Doch all diese Formen versagen in Arrival ihren Dienst, da ihnen die Komplexität fehlt. Das stellt zumindest die Linguistin Louise rasch fest. Der Fehler liegt in eben jener linearen Form, die der unheimlich komplexen Symbolsprache der Besucher nicht entspricht. Offenbar ist ihrer Spezies der lineare Zeitbegriff fremd. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft haben für die Außerirdischen keine Bedeutung. Laut der sogenannten Sapir-Whorf-Hypothese formt die Sprache das Denken -und je mehr Louise in die Sprachwelt der Aliens eintaucht, bemerkt sie, dass sich auch ihre Gedanken zu verändern beginnen.

Mit Außerirdischen in Kontakt zu treten, ist ein alter Menschheitstraum

Mit einer Kurzgeschichte von Ted Chiang (Story of Your Life) als Basis nimmt sich Regisseur Denis Villeneuve, der nach Prisoners und Sicario einmal mehr das Genre wechselt, dieses Traums an und schuf ein meisterliches und überaus realistisch anmutendes Science-Fiction-Drama um einen Erstkontakt, der mit einem Twist aufwartet, der seinesgleichen sucht. Untermalt von Jóhann Jóhannssons sphärischen Klängen spannt Villeneuve einen Bogen vom großen Weltgeschehen zum Leben jedes Einzelnen. Bildgewaltig in einem Moment, intim und meditativ im nächsten. Wer hier Actionbombast à la Independence Day erhofft ,sitzt definitiv im falschen Film. Arrival entpuppt sich vielmehr als perfekte Synthese aus Hirnfutter und Blockbuster-Ästhetik. Außerdem war Amy Adams nie besser - eine Oscarnominierung wäre mehr als verdient!

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