American Passages

Dokumentation, A 2011
"American Passages" ist ein Film der Bewegung

"American Passages" ist ein Film der Bewegung

Die Dokumentation "American Passages" beginnt mit der Wahlnacht 2008, als Barack Obama die Präsidentschaft errang, was sich in den ungläubig-freudigen Augen zahlreicher Afroamerikaner widerspiegelte. Von dieser Nacht ausgehend hat Filmemacherin Ruth Beckermann ein essayistisches Panoptikum der USA von heute erstellt.

"American Passages" ist ein Film der Bewegung, der flüchtigen Begegnungen, die sich zu einem großen Mosaik fügen und ein Land zwischen Hoffnung und Kraft, zwischen Depression und Resignation zeigen. Totalen der weiten Landschaft wechseln sich mit Detaileinstellungen der Gesprächspartner. Vor allem in ersterem erinnert "American Passages" ästhetisch an die großen amerikanischen Wim-Wenders-Epen. Zugleich bleibt der Zuschauer unverortet in diesen Transitgegenden, die Beckermann in elf Bundesstaaten mit der Kamera festgehalten hat. Auch die konkreten Personen werden nicht durch Einblendungen punziert, sondern stehen für sich und darüber hinaus gleichsam als Archetypen für die verschiedenen Facetten der Amerikaner.

Da betont ein Anwalt, dass für seine Zunft nur gute oder schlechte Zeiten zum Geldverdienen optimal seien - nicht die Zwischenphasen. Da erinnert sich ein Irakveteran an seine Drogenprobleme, freut sich eine schwarze Richterin über den Aufstieg ihrer ethnischen Gruppe, lassen die schwulen Adoptivväter die Ankunft ihrer Zwillinge Revue passieren. Beckermann spricht mit Insassinnen eines Frauengefängnis, die kurz vor ihrer Entlassung stehen, ebenso wie mit dem alten Zuhälter am Spieltisch oder den Bewohnern von Sozialsiedlungen. Sie schildert die den meisten Europäern eher fremde Emphase gegenüber der Flagge und Hymne und die Verzweiflung angesichts der bevorstehenden Delogierung.

Beckermann zeigt in "American Passages" letztlich keinen American Dream in Verklärung und nimmt zugleich Abstand von der typisch europäischen Perspektive, die USA melancholisch als kalten Ort des Geldes zu verklären. Die Regisseurin strickt einen amerikanischen Quilt, erarbeitet das Mosaik eines Kontinents, dessen einzelnen Figuren wie kleine Punkte aus der Ferne betrachtet ein stringentes Gesamtbild ergeben.

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