Alphabet

Dokumentation, A 2013
Es gibt Alternativen zum Schulsystem

Es gibt Alternativen zum Schulsystem

Dass er kein gutes Händchen für die richtigen Themen zur richtigen Zeit hätte, muss sich Erwin Wagenhofer definitiv nicht nachsagen lassen. Der österreichische Dokumentarfilmer hat nach "We Feed The World" über die internationale Nahrungsmittelindustrie und "Let's Make Money" über den globalen Geldkreislauf nun mit "Alphabet" erneut ein heiß diskutiertes Thema aufgegriffen: das Bildungssystem.

Er sei von einem "untauglichen Ist-Zustand" ausgegangen, wird Wagenhofer im Presseheft zitiert - und diesem Ausgangspunkt wird im Film so gut wie nicht widersprochen. Nur anfangs ergibt sich in der Parallelmontage zwischen dem chinesischen Universitätsprofessor Yang Dongping und dem deutschen PISA-Koordinator Andreas Schleicher ein schönes Spannungsfeld: Während Yang den Konkurrenzdruck in China anprangert und den Prüfungswettbewerb verurteilt ("tötet die Kreativität"), sieht sich Schleicher bei seinem China-Besuch zu Beginn noch bestätigt. Man sehe, dass es möglich sei, aus allen Kindern sehr viel rauszuholen. Doch selbst Schleicher ist sich am Ende nicht mehr so sicher, ob die chinesische Kombination aus geringer Schlafzeit und hoher Lernzeit tatsächlich so ideal ist.

"Man kann niemanden zwingen sich zu bilden", formuliert wiederum der Hirnforscher Gerald Hüther, "man kann nur jemanden einladen sich zu bilden. Und das ist Erziehungskunst." Der deutsch-französische Pädagoge Arno Stern fragt sich auch, was die Schule denn von den wahren Bedürfnissen von Kindern wisse. "Die Nebenfächer sollten die Hauptfächer sein, dann wären sie erfüllte Menschen." Das Gegenteil sei derzeit der Fall.

Manipulierte Arbeitslosenzahlen, rein marktwirtschaftliche Wertmaßstäbe, Erschöpfung statt Kreativität - dass das aktuelle System so nicht weitergeführt werden kann, steht für die meisten Befragten außer Zweifel. "Das alte Bildungssystem zu zertrümmern" fordert daher der langjährige Telekom-Personalvorstand Thomas Sattelberger als Konsequenz. "Exzellente formale Abschlüsse heißen nicht, dass jemand gebildet ist." Als roter Faden dient Wagenhofer der Brite Ken Robinson, dessen dozierender Duktus und eindrückliche Zahlen auch den Takt des Films vorgeben: Von 98 Prozent Hochbegabten bei der Geburt bleiben nach der Schule noch 2 Prozent übrig. Höchste Zeit, dass sich etwas gravierend ändert.

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