Alles steht Kopf

Komödie/Family, USA 2015

Totale Gefühlsverwirrung im Kopf von Teenager Riley

Pixar unternimmt mit seinen Filmen gern spannende Reisen. Für "Ratatouille" ging es in die Nobelküchen von Paris, "Merida - Legende der Highlands" entführte ins schottische Hochland. Mit "Alles steht Kopf" dringen die kalifornischen Trickkünstler nun in die bisher exotischste Region vor: Es geht in den Kopf und ins Unterbewusstsein, in die Schaltzentrale der Gefühle und Träume.

Schauplatz ist die Gefühlswelt eines elfjährigen Mädchens. Bei Riley geht es drunter und drüber, ihre Emotionen stehen Kopf. Kein Wunder, mit den Eltern ist sie gerade aus dem ländlichen Minnesota nach San Francisco umgezogen. Es ist der Abschied von ihren Freunden, vom geliebten Schlittschuhlaufen, von ihrer Kindheit. 

Doch die kleine Riley mit den aschblonden, schulterlangen Haaren ist nicht etwa die Hauptperson. Das sind ihre mit Haut und Haaren personifizierten Gefühle: Freude, Kummer, Angst, Wut und Ekel. Freude ist eine quirlige Fee mit strahlenden Augen und quietschblauen Haaren, die Riley einfach nur glücklich machen will. Wut ist ein vierschrötiger Gnom mit Krawatte und rotem Kopf, der leicht explodiert. Kummer ist behäbig, mit traurigen Augen hinter einer runden Brille, alles fällt ihr unglaublich schwer. 

Freude und Kummer sind versehentlich aus dem Hauptquartier rausgeschleudert worden. Sie bahnen sich nun einen Weg zurück durch das Gedächtnis, wo Erinnerungen als bunte Kugeln in endlos langen Regalen lagern. Sie treffen auf Bing Bong, Rileys imaginären Freund mit rosa Rüssel aus Kindertagen. Es geht durch das düstere Unterbewusstsein, in die abstrakten Gedanken und in das Dream-Studio, wo Träume gemacht werden.

Das klingt eher kopflastig als nach kinderleichter Unterhaltung, doch Pixar ist damit erneut eine wunderbare Gratwanderung gelungen, bei der sich Herz und Verstand, nachdenklicher Tiefgang und kunterbunter Spaß perfekt die Waage halten. 

Für Regisseur Pete Docter, der mit "Oben" den Oscar für den besten Zeichentrickfilm gewonnen hatte, ist es eine sehr persönliche Geschichte. Den Anstoß gab seine Tochter Elie, die mit elf Jahren plötzlich vom fröhlichen Mädchen zum stillen, verschlossenen Kind wurde, wie Docter erzählte. "Es hat wehgetan zu sehen, wie sie sich veränderte. Fünf Jahre arbeitete der zweifache Vater mit einem Team von über 300 Trickkünstlern, Zeichnern und Programmierern an "Alles steht Kopf". 

"Alles steht Kopf" ist nicht nur reine Erfindung von Hollywoods Traumfabrik. Das Pixar-Team holte renommierte Neurologen, Biologen und Psychologen zur Hilfe. Der weltberühmte Psychologie-Professor Paul Ekman, der über Jahrzehnte Mimik und nonverbale Kommunikation studierte, arbeitete eng mit Pete Docter zusammen. 

"Damit der Film auch Bedeutung und etwas Nachhaltiges hat, muss es dunklere Szenen und Verlust geben", erklärt der Regisseur. Die Hauptfigur Freude würde eine wichtige Lektion im Leben lernen. Und das sollten auch die Zuschauer, vor allem die Großen, wünscht sich Docter. "Unsere wichtigste Sprache ist nicht Englisch oder Deutsch, sondern Gefühle. Als mein Sohn noch recht klein war, hörte er mit an, wie meine Frau und ich über die Steuer in Streit gerieten. Er hat kein Wort verstanden, aber schaute uns an und verstand all unsere Emotionen."  

95 brillante Minuten gehen mit witzigen Anspielungen auf eine mögliche Fortsetzung (Riley ist jetzt zwölf, was kann denn da noch passieren) und treffenden Worten zu Ende: Dieser Film ist unseren Kindern gewidmet. "Bitte werdet niemals erwachsen", heißt es im Abspann. 

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