Alles, was wir geben mussten

Drama, GB/USA 2010
Interessante Literaturverfilmung mit Starbesetzung

Interessante Literaturverfilmung mit Starbesetzung

Der Romancier Kazuo Ishiguro ist auch Nicht-Lesern unter den Kinogängern ein Begriff. Denn 1993 ging die mit Emma Thompson und Anthony Hopkins hochkarätig besetzte Verfilmung seiner Novelle "Was vom Tage übrig blieb" um die Welt. Auch die Adaption seines Romans "Alles, was wir geben mussten" hat große Chancen zu einem internationalen Hit.

Die Geschichte führt ins England der 60er und 70er Jahre. Hailsham wirkt wie ein gewöhnliches Internat. Doch die Kinder, die hier aufwachsen, sind sehr besonders. Sie sind nämlich Klone. Alle wurden gezüchtet, um einmal anderen, auf natürlich Weg geborenen Menschen als Organspender zu dienen und so deren Lebenserwartung zu verlängern. Drei solcher mit ihrer Geburt todgeweihten Klon-Kinder stehen im Zentrum der Erzählung. Keiner von ihnen wird älter als Mitte 20 werden.

Besonders ausführlich werden die Lebenslinien dieses Trios in der Jugend verfolgt: Kathy (Carey Mulligan), Ruth (Keira Knightley) und Tom (Andrew Garfield) sind nämlich in einem komplizierten Netz aus Liebe und Verrat fest miteinander verbunden. Eine Zeit lang sieht es so aus, als könnten Zwei von ihnen ihrem vorbestimmten grausamen Schicksal entgehen. Die Frage, ob sie es schaffen, gibt dem Film über weite Strecken eine kräftige Krimiatmosphäre.

Regisseur Mark Romanek inszenierte diese Geschichte sehr stilvoll. Bisher wurde der US-Amerikaner vor allem durch Musik-Videos, zum Beispiel für Johnny Cash und Michael Jackson, bekannt. In seinem erst dritten Spielfilm erweist er sich jedoch als subtiler Geschichtenerzähler, der es visuell üppig liebt. Seine Gestaltung überlagert jedoch nicht die zu erzählende Geschichte. Wie im Buch, so erwächst auch im Film die Spannung gerade daraus, dass es keinerlei Horroreffekte à la Hollywood gibt. Das Böse haust im Gewöhnlichen.

Die Handlung des Romans wurde für die Filmversion aus Zeitgründen etwas gekürzt. Doch das Wesentliche blieb erhalten. Vor allem wurde der von gleichzeitiger Nüchternheit und emotionalem Überschwang geprägte Ton von Autor Ishiguro erstaunlich gut getroffen. Carey Mulligan und Andrew Garfield, der nächste Spiderman-Darsteller, führen das durchweg brillante Schauspielerensemble an, zu dem auch Weltstar Charlotte Rampling in einer kleinen, einprägsamen Rolle gehört.

Vor allem aber begeistert Carey Mulligan. Die von ihr einprägsam verkörperte Kathy wird als Erzählerin zur Zentralgestalt. Die jetzt 25-jährige britische Schauspielerin erinnert in ihrer Klasse an die junge Meryl Streep.

Schauspielerisch makellos, fesselnd im Erzählton und mit überwältigend schönen Bildern berauschend, erweist sich die Kinoversion des Bestsellers "Alles was wir geben mussten" damit wahrlich als Literaturadaption de luxe.

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