Alien: Covenant

Horror/Science Fiction, USA/AUS/GB/NZ 2017

Das "Wunder" der Alien-Geburt bahnt sich an

Ridley Scott kehrt erneut zum Anfang seines Alien-Mythos zurück und setzt somit Prometheus fort: Einiges Neues und viel Wiederholung in ganz großen Bildern

Darum geht's in ‚Alien: Covenant'

Irgendwo weit, weit draußen im Weltraum, Milliarden Kilometer von der Erde entfernt, gleitet das riesige Kolonisationsraumschiff Covenant durch die stille Schwärze. An Bord schlafen in ihren Lebenserhaltungskapseln tausende Siedler, die eine noch einige Reisejahre entfernte neue Welt als Ersatz bzw. Außenposten der Erde in Besitz nehmen sollen. Gesteuert wird die Covenant von ihrem Zentralrechner, genannt Mutter. Und damit auch sonst alles glatt geht, sorgt Androide Walter (Michael Fassbender) als einzig waches Crewmitglied für Wartung und Ordnung der Systeme.

Gerade, als die Covenant ihre gigantischen Sonnensegel ausfährt, um neue Energie zu tanken, wird sie von einem unerwarteten Ionensturm getroffen, aus der Bahn geworfen und schwer beschädigt; Dutzende Passagiere und auch der Captain kommen dabei ums Leben. Die Besatzung wird aus ihrem Tiefschlaf geholt, um zu retten, was zu retten ist. Von Anfang an ist die toughe Terraforming-Spezialistin Daniels (Katherine Waterston) auf Konfrontationskurs mit dem neuen Leiter der Expedition, dem unsicheren Christopher (Billy Crudup) - der getötete Captain war ihr Mann.

Kurz nachdem das halbwegs reparierte Raumschiff wieder auf Kurs ist, empfängt sie ein seltsames Signal von einem nicht allzu weit entfernten Planeten, der bisher in allen Besiedelungsplänen offenbar übersehen wurde. Als sie herausfinden, dass es sich um eine verzerrte, aber eindeutig erkennbare Version von John Denvers West Virginia-Hymne "Take Me Home, Country Roads" handelt, fällt der Entschluss, dem Phänomen auf den Grund zu gehen: Kursänderung zum frisch entdeckten Planeten, der nach ersten Checks eine erdähnliche Atmosphäre, gemäßigte Temperaturen und Wasser bietet. Das Fundstück wäre als Kolonisierungsobjekt sogar noch günstiger als der noch Jahre entfernte ursprüngliche Zielplanet! Weil der Planet von einem Netz gewaltiger Gewitterstürme überzogen ist, kann der Forschungstrupp nur mit einem "Beiboot" landen -und parkt in einem vermeintlichen Paradies. Ruhig, grün, friedlich.

Viel zu friedlich, befindet Daniels schließlich, denn hier lebt genau nichts. Kein Wild, keine Fische oder Vögel, nicht mal Insekten. Irgendetwas hat hier alles ausgerottet. Einen Vorgeschmack bekommen sie, als sich zwei Besatzungsmitglieder mit etwas Unbekanntem infizieren, was mit einer Tragödie endet. Noch größer wird das Erstaunen, als sie Spuren einer alten Zivilisation finden und die Überreste des Raumschiffs Prometheus, die vor Jahren spurlos verschwand. Der Einzige, der überlebt hat, ist Androide David (auch Michael Fassbender), der erst erfreut ist, einen Bruder in Form des genauso aussehenden, aber völlig anders programmierten Walter zu finden. Doch David hütet ein furchtbares Geheimnis.

Unsere Meinung zu ‚Alien: Covenant'

Viele Fans waren enttäuscht, als Ridley Scott 2012 mit ‚Prometheus‘ zwar an die Wurzeln seines Alien-Mythos zurückführte, die Biester auch tatsächlich eine gewisse Rolle spielten, im Zentrum aber etwas ganz anderes stand. Es wird interessant zu beobachten, wie sie die Fortsetzung aufnehmen. Denn auch jetzt macht sich Scott tiefgründige Gedanken über existentielle, ja durchaus philosophische Themen abseits der großen Blutspritzerei: Woher kommen wir, wohin gehen wir, die Kraft des Schöpferischen - und die Verantwortung, die sich daraus ergibt.

Schon das erste Bild beschert reflektierten Menschen, die unwillkürlich an Stanley Kubricks ‚2001 - Odyssee im Weltraum‘ denken werden, Gänsehaut: Androide Walter spricht in einem kühl reduzierten, aber großartig designten Raum mit seinem Schöpfer über den Sinn des Lebens. Ungeduldige Actionfans hingegen werden da schon auf den Sesseln wetzen und "Weniger reden, mehr Monster!" schreien. Tatsächlich kommen die dann auch, und zwar in unterschiedlichen grausamen Formen und mit bestialischen Manieren.

Genau hier wird sich zeigen, ob Scotts Weg, das Publikum zufriedenzustellen, der richtige war. Denn fast alles, was mit der Alien-Monster-Geschichte zu tun hat, haben wir schon oft gesehen: Das Schiff, das von einem Signal zum verhängnisvollen Planeten gelockt wird, ganz viele Zitate, die sich auf den legendären, fast 40 Jahre alten ersten Alien-Film beziehen (die Musik, die aus den Bäuchen platzenden Monster, der Zentralcomputer namens Mutter, der Cowboyhut des Steuermanns, die toughe, bewusst stark an Sigourney Weaver erinnernde Heldin) und alle sonstig bewährten Zutaten samt erwartbarem Showdown ganz im Geiste von 1979.

Das gilt aber nicht für Nebenschauplätze, vor allem bei der Beziehung zwischen Walter und David. Michael Fassbender bildet mit dieser androiden Doppelrolle das heimliche Zentrum des Films, das die humanen Darsteller an den Rand drängt. Und dass es Scott gelingt, neben John Denvers Country-Hadern ausgerechnet Richard Wagners Einzug der Götter in Walhall zum zentralen musikalischen Element zu machen, das auch den großartigen Schlusstwist trägt, das verdient Applaus. Man darf gespannt sein, ob es dem bald 80-Jährigen gelingen wird, die angekündigten zwei Fortsetzungen dazu passend zu inszenieren.

Fazit: Große Bilder, große neue Ideen, gleichzeitig viel Altbewährtes.

Kinotipps
Hollywoodstar Jürgen Prochnow als griesgrämiger Leander

Kinotipp: Leanders letzte Reise

Hollywood-Star-besetztes Familiendrama

Kinotipps
Erste Kinohauptrolle für den Österreicher

Kinotipp: Baumschlager

Der trottelige Blauhelm polarisiert

Kinotipps
Suche nach dem Weg zu einem selbstbestimmten Leben

Kinotipp: Das Löwenmädchen

Die Geschichte von einem Mädchen mit Ganzkörperbehaarung

Kinotipps
Harter Kampf um Ninjago City

Filmtipp: The Lego Ninjago Movie

Wem dieser Streifen zu schnell ist, der ist zu alt :-)

Kinotipps
Alexandra Borbely beeindruckt im Berlinale-Sieger-Film

Filmtipp: Körper und Seele

Ungewöhnliche Love-Story

Kinotipps
Culture-Clash-Komödie mit Christian Clavier

Filmtipp: Hereinspaziert

Monsieur Claude lässt grüßen!