Abgang mit Stil

Komödie/Krimi, USA 2017

Die drei Freunde Willie, Joe und Albert planen einen Überfall

Nach dem Motto ,Jeder sollte ein Stück Kuchen haben' knacken Michael Caine, Morgan Freeman und Alan Arkin Co eine gierige Bank. Regie führte ‚Scrubs‘-Star Zach Braff.

Darum geht's in ‚Abgang mit Stil‘:

In den vergangenen drei Jahrzehnten waren der weltgewandte Joe (Michael Caine), der freundliche Willie (Morgan Freeman) und Grantler Albert (Alan Arkin) unzertrennliche Freunde. Gemeinsam haben sie in einer Stahlfirma gearbeitet, gemeinsam sind sie in Pension gegangen und sitzen nun jeden Tag im Seniorencenter oder im Diner. Trotzdem wissen sie nicht alles übereinander. So hält Joe, der ein großartiger Opa ist, finanzielle Troubles mit seiner Hypothek geheim, Willie wiederum hat keinem erzählt, dass er eigentlich Dialyse-Patient ist. Albert muss sich den erotischen Avancen der reschen Supermarktangestellten Annie (Ann-Margret), die selber schon ein Golden Ager ist, erwehren - also eigentlich trotz allem ein passables Leben.

Wirklich hart wird es für das Trio allerdings, als ihr alter Arbeitgeber, eine große Stahlfirma, die Produktion völlig überraschend nach Vietnam auslagert und nötige Kosten aus jenem Rentenfonds begleicht, aus dem Joe und Co ihre lebensnotwendige Pension beziehen. Quasi über Nacht stehen die drei vor dem finanziellen Nichts, der tägliche Kuchen im Diner ist plötzlich Luxus. Joe, dem die Bank das Haus wegnehmen will, hat aber eine Vision: Neulich, als er in der Bank war, fand ein Überfall statt. Perfekt getimt und choreografiert, kein Blutvergießen, trotzdem hat der fiese Bankdirektor dabei sprichwörtlich in die Hosen gemacht.

Wäre es angesichts der prekären, von anderen verschuldeten Situation nicht nur gerecht, wenn er und seine Freunde das auch machten? Immerhin unterstützt die Bank der drei den fragwürdigen Deal des Stahlwerks durch Beratung und Durchführung der Firmenverlegung. Außerdem schwören sich die Gentlemen, nur so viel Geld zu rauben, wie ihnen nach Restlebenserwartung und Pensionshöhe zustünde. Gesagt, getan - auch wenn das weitaus schwieriger ist, als es im Fernsehen immer aussieht. Das merken sie spätestens beim völlig verpatzten Versuch, aus dem Supermarkt am Eck Schinken und Huhn für ein Cordon Bleu zu stehlen. Sie brauchen eindeutig den Rat eines Profis.

Unsere Meinung zu ‚Abgang mit Stil‘:

Das Komödien-Subgenre der smarten Alten, die noch einmal groß aufdrehen wollen, ist selbst schon fast im Rentenalter, aber quicklebendig - und bringt regelmäßig Nachschub. Und offenbar gibt es ein geheimes US-Bundesgesetz, demzufolge in solchen Filmen Morgan Freeman mitspielen muss, wie zuletzt in ‚Das Beste kommt zum Schluss‘, in ‚Love Vegas‘ oder eben jetzt ‚Abgang mit Stil‘. Tatsächlich tut der charismatische 79-Jährige aber praktisch jedem Film gut, also geht das in Ordnung.

Noch dazu, wenn er gemeinsam mit Michael Caine und Alan Arkin eine Komödie wie diese stemmt. Regie führte ‚Scrubs‘-Star Zach Braff, der hinter der Kamera blieb und das Feld völlig seinen Altspatzen überließ. Dabei fanden alle Beteiligten das richtige Maß zwischen leicht konsumierbarem Slapstick, teils ziemlich boshaften Dialogen, einem Löffel Tragik und einer Messerspitze Sozialkritik. Durch geschickte Establishing Shots von New York, ein paar epische Kamerawinkel und eine ziemlich pompöse Bank (die jener aus Vier gegen die Bank ähnelt) sieht die mit 25 Millionen Dollar preiswerte Produktion nach großem Kino aus.

Und wer sich gut auskennt in der Filmgeschichte, der findet versteckte Hinweise auf frühere wichtige Rollen von Caine, Freeman und Arkin in der Umgebung versteckt. Die drei geben ihren Figuren ganz viel Sympathie und Würde mit, Sixties-Sexbombe Ann-Margret (Die unteren Zehntausend, Tommy) ist mit ihren 75 Lenzen auf den ersten Blick immer noch sehr hübsch, auf den zweiten sieht ihr von der Frisur gut verdecktes Gesicht allerdings ein bisschen aus wie ein Spannleintuch, das man über eine zu große Matratze gezwungen hat. Macht aber nichts, dem Gute-Laune-Faktor der Komödie schadet diese Warnung vor zu viel Beauty-OP nicht.

Matt Dillon gibt den doofen FBI-Agenten, Zurück in die Zukunft-Ikone Christopher Lloyd den schon leicht umnachteten Senioren-Funktionär - ja, das sind Klischeefiguren, aber im Rahmen einer freundlichen Komödie ist das verschmerzbar. Fazit: Netter Spaß mit spürbar bestens aufgelegten Altstars, der für einige Lacher sorgt und daher nicht nur für kinoaffine Oldies geeignet ist.

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