Abendland

Dokumentation, A 2011
Die Doku schickt uns auf eine Assoziationsreise

Die Doku schickt uns auf eine Assoziationsreise

Nikolaus Geyrhalters Dokumentation "Abendland" entwirft ein Panoptikum der Festung Europa im Dunklen. Der Regisseur schickt uns kommentarlos auf eine lange Assoziationsreise, die von der babylonischen Sprachverwirrung des EU-Verwaltungsapparates über die bleierne Stille geschlossener Flughäfen bis hin zur nächtlichen Patrouillenfahrt an der Außengrenze des vermeintlichen Paradieses reicht.

In langsamer Assoziationsmontage schneidet Geyrhalter Kampfflugzeuge auf eine Papstrede zur Krise der Kirche, wechselt zwischen skurrilen Szenen in einem Polizeitrainingszentrum, in dem Kollegen vor dem Greenscreen vermeintliche Verbrecher darstellen, und dem Protest gegen die Castortransporte. Unpersönlicher Bordellsex vor aufgemalter Alpenkulisse konterkariert (oder verstärkt) das surreale Gespräch einer "Rückkehrberaterin", die Asylwerber überzeugen soll, freiwillig in ihre Heimat zurückzukehren.

Und immer wieder die beklemmenden Bilder einer Festung, die sich und ihren exklusiven Lebensstil nach außen abschottet und zugleich die Einreisewilligen als billige Arbeitskräfte benötigt. Die Ländergrenzen innerhalb Europas verwischen hingegen, die Schauplätze können ob der Dialogarmut des Gezeigten vom Zuschauer bisweilen gar nicht zugeordnet werden. Mit langen, teils mehrminütigen Einstellungen eröffnet Geyrhalter nach dem Vorbild früherer Werke wie "Unser täglich Brot" bei seiner Nachtwanderung durch Europa einen Raum für Deutungen. Dabei erwecken die vermeintlich neutralen Bilder die Illusion, frei und unbeeinflusst urteilen zu können, verwischen die Spur ihrer Entstehungsgeschichte, die Kriterien, die zu ihrer Auswahl geführt haben.

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