A War

Drama/Kriegsfilm, DK 2015

Der Krieg wird auch daheim auf Pedersen warten

Ein Kriegsdrama ohne Pathos, dafür mit Tiefgang: "A War" des dänischen Regisseurs Tobias Lindholm, der heuer für den Auslandsoscar nominiert war, besticht durch schnörkellosen Realismus und lenkt seinen Fokus auf die Seelenlandschaft von Soldaten.

Afghanistan, karge Landschaft, wackelige Bilder, hektische Kameraschwenks - man ist auf Patrouille, plötzlich tritt ein Kamerad auf eine Mine, es hätte einen auch selber treffen können. Der Zuschauer wird zu Beginn recht drastisch in die Handlung eingebettet, in deren Zentrum der dänische Kommandant Claus Michael Pedersen (Pilou Asbaek) steht.

Während man zusieht, wie harte Jungs zu von Panikattacken gequälten seelischen Wracks werden, schweift der Blick zwischendurch zu Claus' Frau und den drei Kindern nach Dänemark. Alltagsprobleme und immer wieder die Frage "Wann kommt Papa heim?". Papa gibt in der Zwischenzeit einen verhängnisvollen Befehl: Im Glauben, dass sich dort Taliban befinden, lässt er ein Haus bombardieren. In Wirklichkeit sind darin acht Kinder und drei erwachsene Zivilisten, die alle umkommen.

Im zweiten Teil wechselt der Schauplatz in den Gerichtssaal. Claus wird wegen der Toten der Prozess gemacht. Er will die Verantwortung übernehmen. "Kann ja sein, dass du acht Kinder umgebracht hast, aber hier hast du drei Kinder, die leben!", bricht es hingegen aus seiner Frau heraus. Die zwei Söhne und die Tochter sind einfach froh, dass ihr Vater wieder da ist und plötzlich so viel Zeit für sie hat.

Zivilisten zu töten ist ein abscheuliches Kriegsverbrechen, dem ist nichts hinzuzufügen. Aber es ist auch leicht, die Welt in Schwarz und Weiß einzuteilen, wenn man gemütlich in Hauspatschen vor dem Fernseher sitzt und Kriegshandlungen in den Abendnachrichten verfolgt, allzeit bereit, die Hand aus dem Chips-Sackerl auf die Fernbedienung umzulenken, um den Sender zu wechseln.

"A War" (Originaltitel: "Krigen") ist alles andere als ein Kriegsfilm nach Hollywoodmanier, niemand sagt "Es ist eine Frage der Ehre" oder plärrt zackig salutierend "Ja, Sir". Es geht vielmehr um seelische Zwickmühlen: Ein Kommandant muss in Sekundenbruchteilen, unter Beschuss und während neben ihm ein Kamerad verblutet, Entscheidungen über Leben und Tod treffen. Ein Vater muss sich fragen, ob er seinen Kindern zumuten kann, jahrelang ins Gefängnis zu gehen, nur um seinem hehren moralischen Anspruch gerecht zu werden.

Auch wenn sich der Streifen im Ringen um den Auslandsoscar der ungarischen Produktion "Son of Saul" geschlagen geben musste, so beeindruckte Lindholms Film die Kritiker. Hauptdarsteller Pilou Asbaek, hierzulande am ehesten aus der Politserie "Borgen - Gefährliche Seilschaften" oder der US-Fantasyreihe "Game of Thrones" bekannt, überzeugt als Kommandant ebenso wie als Vater und Ehemann.

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