7915 km

Dokumentation, A 2008
Nahaufnahmen am Rande eines Sportspektakels

Nahaufnahmen am Rande eines Sportspektakels

"Paris-Dakar" hätte die neue Doku des zuletzt mit "Unser täglich Brot" erfolgreichen österreichischen Filmemachers Nikolaus Geyrhalter eigentlich heißen sollen. "7915 km" bezeichnet nun die Entfernung zwischen der französischen und der senegalesischen Hauptstadt. Im Mittelpunkt des Films steht jedoch weniger die Rallye als vielmehr das Leben entlang der Strecke.

Während die Rallye-Fahrer die gesamte Strecke üblicherweise in zwei Wochen bewältigen, nahmen sich Geyrhalter und seine mehr als zehnköpfige Filmcrew nach drei Jahren Vorbereitungszeit etwa vier Monate Zeit für die Dreharbeiten von Marokko (bei Kilometer 1.009) bis zum Ziel in Dakar (bei Kilometer 7.915). Die Rennautos verlor man so naturgemäß schnell aus den Augen - übrig blieben vielmehr die Eindrücke jener Menschen, durch deren Land sich die Wüstenstrecke zieht.

"Ich habe sie auf einen Tee eingeladen, aber sie hatten keine Zeit", erzählt etwa ein marokkanisches Mädchen in einem kleinen Wüstendorf, in dem Buben mit Autoreifen spielen. Andere beklagen die negativen Auswirkungen der alles plattwaltzenden Autokarawane.

Von Befindlichkeitsbeschreibungen bewegt sich die Doku immer mehr in Richtung Arbeitswelten, von ländlichen Gegenden im Norden wandert der Blick, je südlicher die Crew gelangt, immer mehr in Richtung Stadt oder zumindest städtische Umgebungen. Leider wirken die - wenn auch schön kadrierten - Aufnahmen bald teils nur noch als Füllbilder, und des Eindrucks eines altbekannten Betroffenheitskinos kann man sich nicht immer erwehren.

Geyrhalter versucht die Vorurteile der "anderen Seite" festzuhalten, die afrikanische Sicht auf Europa festzumachen, gleichzeitig erzählen Menschen aus Mauretanien, Mali oder dem Senegal vom extremen Mangel an Möglichkeiten für die Bevölkerung jener Länder. "Darum wollen alle nach Europa", meint einer resignativ. "Manchmal funktioniert es, manchmal nicht. Aber es ist immer noch besser, als hier herumzusitzen."

Geyrhalter lässt seine Doku mit einem Flüchtlingsboot auf einem Suchmonitor ausklingen, dem voll besetzten Boot nähert sich langsam die Küstenwache. Und dann Schwarzbild. Den Rest kennt man nur allzu gut aus den Nachrichten.

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